Das menschliche Dilemma des 21. Jahrhunderts

Kann der Mensch im Anthropozän zu einer Kraft des Guten werden? Und wenn ja, wie? Indem wir in die Natur und ihre Ökosysteme investieren und eine klimaneutrale Wirtschaft anstreben, so Johan Rockström während seiner Grundsatzrede zu Beginn unseres Symposiums "Wohlstand im 21. Jahrhundert: Besser Wirtschaften nach Corona."

 

Das Symposium „Wohlstand im 21. Jahrhundert: Besser Wirtschaften nach Corona“ vom Forum New Economy und The New Institute sorgte für lebhafte und konstruktive Diskussionen – über Fragen nach Alternativen zum BIP als Wohlstandsindikator bis hin zur Frage nach neuen ökonomischen Paradigmen, die den drängenden sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden können.

Das Symposium wurde eingeleitet durch einen wissenschaftlichen Beitrag von Johan Rockström, Professor für  Earth System Science an der Universität Potsdam und Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen u.a. vom Stockholm Resilience Centre seit 2009 den Begriff der planetarischen Grenzen prägt.

© Florian Schuh

In seinem Impulsreferat zu Beginn des Symposiums machte der Experte deutlich, dass dieses Jahrzehnt entscheidend für die Eindämmung der Klimakrise ist. Er erläuterte, dass der Planet bereits jetzt an seine ökologischen Grenzen stößt, insbesondere im Hinblick auf den Verlust der biologischen Vielfalt, auf die CO2-Emissionen und die Stickstoff- und Phosphorkreisläufe.

Er stellte extreme Wetterereignisse wie die jüngsten Überschwemmungen und Hitzewellen in der nördlichen Hemisphäre in den größeren Zusammenhang der Klimaerwärmung und machte deutlich, dass bereits ein Temperaturanstieg von 1.5°C einen Anstieg des Meeresspiegels um mindestens zwei Meter bis zum Ende des Jahrhunderts bedeuten würde.

Er forderte die Zuhörer auf, die neun wichtigsten miteinander verbundenen ökologischen Systeme zur Kenntnis zu nehmen, die Anzeichen für das Erreichen von Kipp-Punkten aufweisen und von denen sich einige, wie der Amazonas-Regenwald, bereits teilweise von einer Kohlenstoffsenke in eine Kohlenstoffquelle verwandeln. Das neue geologische Zeitalter des Anthropozäns, das durch den geophysikalischen Einfluss des Menschen auf den Planeten geprägt ist, zeichnet sich durch ein hohes Ausmaß, eine hohe Geschwindigkeit und eine enge Vernetzung der Systemveränderungen aus. Ein Beispiel dafür ist laut Rockström die exponentielle Zunahme von Zoonosen wie Covid-19, die mit dem dramatischen Biodiversitätsverlust einhergeht – in den letzten 50 Jahren sind bereits mehr als zwei Drittel der Wildtierpopulationen ausgestorben und rund eine Million Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht.

Um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Wohlergehen künftiger Generationen zu gewährleisten, bedarf es daher einer Kombination aus Massenbewegungen, politischem Fortschritt, Marktkräften und technologischen Umwälzungen. Herr Rockström verdeutlichte die Notwendigkeit, wissenschaftlich fundierte Ziele zu verfolgen, um sowohl das Klima als auch die Natur intakt zu halten. Dies vermittelte uns unmissverständlich, dass wir auf dem Weg in eine kohlenstofffreie Zukunft die Wirtschaft neu denken und die „kopernikanische Wende“ nutzen müssen.

Den Vortrag gibt es als Re-live hier:

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