From Growth to Degrowth – In Search of a New Development Paradigm

Sollten Volkswirtschaften angesichts steigender ökologischer Herausforderungen und sozialer Kosten weiter wachsen? Michael Jacobs und Xhulia Likaj sind dieser Frage für unser Wohlstandssymposium nachgegangen.

 

Angesichts sich negativ entwickelnder Umweltindikatoren, eines sich im Ausnahmezustand befindlichen Planeten und steigender Ungleichheitsraten geht der hitzigen Debatte über die Zukunft des Wirtschaftswachstums nicht der Brennstoff aus. In dem Bemühen, Licht ins Dunkel eines jahrzehntelang währenden Konflikts in der Ökonomie zu bringen, präsentierten Michael Jacobs von SPERI und Xhulia Likaj vom Forum New Economy auf unserem Symposium zum Thema „Wohlstand im 21. Jahrhundert“ Einblicke in die Wachstumsdebatte aus ihrer bald erscheinenden Forum-Studie. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit The New Institute statt.

© Florian Schuh

Xhulia Likaj erläuterte zu Beginn der Sitzung, Motivation für die Studie sei, eine Debatte in den Mittelpunkt der Wirtschaftswissenschaften zu rücken, die sich trotz aller Fehler und ideologischen Grabenkämpfe mit dem dringendsten Problem der Menschheit befasst – der Frage nach der Zukunft unseres Wohlstands im Einklang mit planetaren Grenzen. Ausgehend von einer historischen Perspektive auf die Wachstumsdebatte, über die Entstehung des Wachstumsparadigmas und die ersten Wachstumskritiken in den 1970er Jahren, bis hin zu einem Überblick über verschiedene wachstumskritische und wachstumsagnostische Ansätze, bietet die Studie einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Argumente, die in der Debatte über die Zukunft und Begehrlichkeit von Wirtschaftswachstum vorgebracht werden, und die unterschiedlichen Schlussfolgerungen, zu denen man gelangt ist.

Diese Argumente bildeten dann die Grundlage für die anschließende Diskussion. Vor allem, so betonte Michael Jacobs, schaffe BIP-Wachstum nicht automatisch sozialen Nutzen, wie oft angenommen werde. Wenn wir ökologische Nachhaltigkeit und sozialen Wohlstand erreichen wollen, müssten wir uns direkt auf diese Dinge konzentrieren – anstatt allein auf Wachstum. Gleichzeitig sei es keine wirksame politische Strategie, Wachstum als ein tief in unser politisches System eingebettetes Paradigma anzugreifen. Vielmehr sollten sich Wirtschaftswissenschaftler, Politiker und die Gesellschaft im Allgemeinen auf die Erreichung unserer essentiellen Ziele zu konzentrieren. Diese Position ist Teil einer größeren Anzahl von Forschungsarbeiten und wissenschaftlichen Debatten, die unter dem Oberbegriff Postwachstum zusammengefasst werden können. Zum 50. Geburtstag des Berichts des Club of Rome sollte sich die Wachstumsdebatte nach Ansicht von Jacobs in diese Richtung bewegen.

Nils aus dem Moore, Professor am RWI Essen, ergänzte, dass wir die Wachstumsdebatte nicht erfolgreich lösen können, ohne ihr die wichtige Frage hinzuzufügen, wie planetarische Grenzen und ein „gutes Leben“ definiert werden können – und wie dieses Verständnis dann gesellschaftlich verbreitet werden kann.

Katharina Beck von der Partei Bündnis 90/Die Grünen, stimmte dem zu, betonte aber, wie wichtig es sei, die neuesten Erkenntnisse der Wachstumsdebatte in konkrete politische Maßnahmen zu überführen. Wachstum sei nicht per se gut oder schlecht – entscheidend sei die Frage, wie wir das Ziel eines guten Lebens für alle innerhalb der planetarischen Grenzen erreichen könnten.

Karen Pittel vom ifo Institut erklärte, dass das Erreichen eines hohen Wohlstandsniveaus und nicht das Wachstum das Ziel sein sollte. Die Frage, wie wir eine Politik gestalten können, die dieses Ziel erreicht, ist die eigentliche Herausforderung, mehr noch als die Debatte über Wachstum. Indem wir uns auf das Wachstum konzentrieren, sagte sie, konzentrieren wir uns zu sehr auf Überzeugungen, wo es doch auf das Handeln ankomme.

Schlussworte kamen von Michael Jakob vom MCC Berlin, der den fruchtbaren Diskurs und die teilweise Synthese von Vorschlägen aus den verschiedenen Spektren der Wachstumsdebatte begrüßte. Gleichzeitig kritisierte er, dass selbst Postwachstums-Konzepte, die von sich behaupten wachstums-agnostisch zu sein, sich auf den Begriff des Wachstums selbst stützen. Geeigneter sei der Begriff „Sustainability Transition Perspective“.

Die gesamte Sitzung als re-live hier:

 

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