Maja Göpel: Mit einem Social-Green Deal aus der Krise

Maja Göpel räumt auf mit drei ehemalig vorherrschenden Narrativen, die die Ökonomie bestimmten. Der Weg aus der Krise muss für sie ein sozial-ökologischer sein, der greifbar für die Menschen sein muss.

Die Entscheidungsträger haben Antworten auf die ökonomischen Herausforderungen der derzeitigen Krise gefunden, die vor wenigen Wochen und Monaten noch undenkbar gewesen wären. Das sieht auch Maja Göpel (WBGU) in ihrem Artikel bei Social Europe so und räumt auf mit ehemaligen Narrativen, die noch als meinungsführend während der Finanzkrise galten.

Auch wenn die Umweltökonomin die Soforthilfemaßnahmen wie das Kurzarbeitergeld, die zusätzliche finanzielle Unterstützung von Eltern, oder die Übernahme von laufenden Kosten von Unternehmen lobt, sieht sie doch entscheidende Verteilungsfragen am Horizont. Die Maßnahmen, die uns aus der Krise führen müssen, müssen ökonomische, soziale und ökologische Standards erfüllen. Damit orientiert sich Maja Göpel eng an der Ausrichtung der 20 SDGs der UN.

Der Wandel der Narrative

Göpel identifiziert drei große Narrative, die sich gewandelt hätten und die es in der Konzeptionalisierung von Antworten auf die Krise nun zu beachten gilt. Das erste Narrative, das in eine vergangene Zeit gehöre sei demnach das einer Ökonomie, die auf fossilen Brennstoffen basiert und ein Wirtschaftsmodell verfolgt, das auf Kosten der Umwelt funktioniert. Göpel fordert neue Wohlstandsbemessungsindikatoren, die das BIP ablösen müssen und eine Kostenrechnung, die sich stärker auf ökologische und geseundheitliche Externalitäten fokussiert. Die EU, so schwebt ihr vor, sollte die Messlatte für hohen Wohlstand mit einem geringen ökologischen Fußabdruck sein.

Das zweite Narrativ, das der Vergangenheit angehört, ist ihrer Meinung das, des trickle down economics. In Zeiten, in denen Land- und Immobilienbesitz zu einer immer größeren Vermögensungleichheit führt, fordert sie eine Abschöpfung von Vermögen in Form einer Vermögensteuer. Eine Veränderung des Steuersystems um KMU’s im Gegensatz zu transnationalen Firmen besser zu stellen, würde demnach ebenso zu mehr Gerechtigkeit führen, wie eine Neudefinition des Produktivitäsbegriffs. Insbesondere im Angesicht der offensichtlichen Wichtigkeit der Jobs in Pflege und Gesundheit, muss es hier ein Umdenken geben. Der derzeitige Produktivitätsbegriff ist weder in diesen Bereichen noch in einer auf Kostendruck getrimmten Landwirtschaft zu halten, wenn das Ziel eine resiliente nachhaltige Wirtschaft sei.

Zu guter Letzt argumentiert Maja Göpel, dass die Annahme, dass positive Entwicklungen im Fianzsektor auch der Realwirtschaft zugute kommen würden, der Vergangenheit angehört. Sie fordert ein Ende des „Short-Selling“ und eine Umorientierung zu langfristigeren KPIs. Mit Bezug auf Marianna Mazzucato fordert sie auch eine andere Verteilung der Kompensation von staatlich geförderten Innovationen.

Der Scoial Green Deal

Göpel fordert als Weg aus der Krise einen Social Green Deal, der diese Erkenntnisse bündelt. Sie fordert einen transformativen Plan, der den Menschen und seine Umwelt wieder in den Mittelpunkt stellt. Dafür sollte vor allem in Bildung investiert werden und der wirtschaftliche Fokus auf mittelständische Unternehmen gelegt werden. Die EU als Schicksalsgemeinschaft, wie sie während der Corona-Krise häufig genannt wird, könnte die für die gesundheitliche Krise benötigte Solidarität somit in ein transformatives Ziel weiterleiten.

Maja Göpel ist akademische Partnerin des Forum for a New Economy

Den kompletten Artikel auf Englisch gibt es auf Social Europe

Von Thore Beckmann

 

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.