NEUES LEITMOTIV
Forum-Newsletter: Was an 2025 trotzdem gut war – Ein Rück- und Ausblick – Über Forum-Studien und Events des Jahres
Aus unserer Forum New Economy Newsletter-Reihe
VON
THOMAS FRICKEVERÖFFENTLICHT
19. DEZEMBER 2025
Liebe Freunde, Kolleginnen und Kollegen,
was für ein Zeitenwechsel anderer Art! Vor einem Jahr gab es in den USA noch eine Regierung, die eine neue Wirtschaftspolitik nach Stand der Forschung zu machen versucht hat, und etwa mit massiver Förderung Erneuerbarer einen neuen klimapolitischen Weg testete; oder jenem Kräfteungleichgewicht am Arbeitsmarkt etwas entgegensetzte, das Nobelpreisträger und andere seit langem bemängeln. Vor einem Jahr wurde trotz aller Ampelwirren auch in Deutschland noch daran gearbeitet, eine zeitgemäße Industriepolitik zu entwerfen, die auch gegen den Vertrauensverlust in die Demokratie helfen sollte.
Scheinbar vorbei: 2025 hat Donald Trump etliche solcher Versuche zurückgedreht, stattdessen mit Zöllen gedroht – und den Wandel zur Klimaneutralität gestoppt. Während Deutschland auf eine kuriose Zeitreise zurück in ein längst überholtes Ökonomieverständnis der 1990er- und Agenda-2010-Jahre gegangen ist – bei der plötzlich wieder so erstaunliche Ideen kursieren wie die, dass es wirtschaftliche Dynamik bringt, wenn nur einfach mehr gearbeitet oder weniger ausgegeben wird. Was für eine Illusion das ist, zeigen die trotz aller Reformen 2025 immer wieder nach unten revidierten Konjunktur-Prognosen und desaströsen Umfrageergebnisse.
Vielleicht ist der reflexartige Rückgriff auf alte Küchenökonomie ein weiterer Ausdruck jener paradigmatischen Leere, die das Scheitern des Marktliberalismus als globales Leitbild hinterlassen hat – und die trotz aller moderner Versuche neuer Politik eben auch noch nicht durch etwas hinreichend überzeugendes Neues ersetzt worden ist.
Wenn das stimmt, lohnt und lohnte es 2025, trotz aller Wirren genau daran weiter zu arbeiten – und die Lehren aus mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen neuer Politik unter Joe Biden oder der bundesdeutschen Ampel zu ziehen. Etwa daran, besser zu verstehen, warum so viele Menschen diesen Kontrollverlust spüren, der sie an Demokratie und Institutionen zweifeln lässt. Und warum etwa Joe Biden mit seinem Inflation Reduction Act nicht mehr Erfolg hatte.
Gereift ist inzwischen das Verständnis, wie eine pro-aktive Politik aussehen könnte, die dafür sorgt, wirtschaftliche Umbrüche zu antizipieren und frühzeitig neue Industrien anzuziehen, damit es nicht zu gesellschaftlichen Desastern wie einst im Rust Belt kommt. Dass dazu ein Transformationsfonds im kleinen Saarland Anschauung bietet, haben die Ökonomen um Dani Rodrik an der Harvard University im Anschluss an den Berlin Summit 2024 zum Anlass genommen, eine Fallstudie dazu zu machen, die kürzlich erschienen ist.
Es braucht die lokale Verankerung, so der saarländische Finanzminister Jakob von Weizsäcker auf dem Berlin Summit 2025. Eine grundlegende Erkenntnis, die in der neueren Forschung zur Industriepolitik unter dem Stichwort „place-based policies“ weiterzuentwickeln versucht wird.
Eine andere Erkenntnis, die inzwischen reift und neue Ideen hervorbringt: Es bringt wenig, auf jener alten Idee zu beharren, das Klima vor allem darüber zu retten, klimaschädliches Verhalten über Verteuerung zu bestrafen – wenn das Prinzip der CO2-Bepreisung in der Praxis nicht durchzuhalten ist; und wenn es wenig bringt, etwa Benzin zu verteuern, solange die Menschen keine bezahlbare Alternative in Form von erschwinglichen Elektro-Autos mit genug Reichweite und Ladestellen haben. Dann könnte es besser sein, zuerst viel stärker zu fördern – und dann Altes zu bepreisen, wie es Eric Lonergan, Michael Grubb und Isabella Wedl in ihrem Forum-Paper zu einem entsprechenden Sequencing darlegen.
Immerhin gab es 2025 auch Fortschritte, wurde in Deutschland endlich jene Schuldenbremse gelockert, für deren Striktheit es ökonomisch kaum noch zwingende Gründe gab. Wobei es jetzt darum geht, wie das 500-Milliarden-Paket am besten entwickelt und genutzt werden kann, um damit auch die dramatischen Spätfolgen der Sparmanie aus Zeiten des Schwarze-Null-Dogmas zu beheben. Nicht trivial nach Jahrzehnten, in denen es verpönt war, dass der Staat überhaupt so etwas macht. Da hat dann auch niemand mehr daran gedacht, wie man so etwas macht. Klar.
All diese Erkenntnis-Fortschritte gingen im Getöse von Zollkonflikten, nationalistischem Gezeter oder wirren Rückkehrversuchen zur Angebotsökonomie alter Zeiten unter. Sie könnten aber eine Menge Wert sein, wenn offenbar wird, dass weder Getöse noch Retro-Denken dazu führen, dass die Menschen wirtschaftlich wieder mehr Kontrolle spüren und Klimakrisen oder dramatische Ungleichheit abgewendet werden. Dass die Zeit für Neues und besser Durchdachtes unverhofft auch wiederkommen könnte, dazu haben die ein oder anderen Wahlergebnisse der vergangenen Wochen in den USA einen ersten Hauch von Ahnung aufkommen lassen.
In diesem Sinne: Besten Dank an alle, die im ablaufenden Jahr mitgedacht oder auch nur zugehört und nachzuvollziehen versucht haben. Es lohnt. Und es wird weiter lohnen – in einem Jahr 2026, das auf Anhieb nicht sehr viel einfacher werden wird. Es geht um ein neues Paradigma, das die Menschen wieder mitzieht und für Demokratie zurückgewinnt. Das braucht halt.
Ein schönes Wochenende – und eine besinnlich-erholsame Zeit!
Thomas Fricke
und das Forum Team
Dieser Text stammt aus unserer zweiwöchig erscheinenden Newsletter-Reihe. Zur Anmeldung geht es hier.