From Planetary Emergency to Regenerative Economics

Kann das Konzept von "regenerative economics" eine Antwort auf die Wachstumsdebatte sein? Beim Symposium "Wohlstand im 21. Jahrhundert" stellten André Reichel und Jana Stöver dieses Konzept vor.

 

Prof. Dr. André Reichel (ISM) & Dr. Jana Stöver (THE NEW INSTITUTE, CAU-Kiel) stellten “regenerative cultures” als ein mögliches neues Paradigma vor. Dieses rückt die Wiederherstellung (Regeneration) sowohl der ökologischen Ressourcen als auch der menschlichen und gesellschaftlichen Vitalität ins Zentrum. Damit könne die Wachstumsdebatte um nachhaltiges Wachstum, Degrowth und Post-Growth überwunden werden. Vielmehr sei ein radikales Neudenken der Ökonomie nötig. Das Ringen um Begriffe und Indikatoren sei dabei unabdingbar, denn: “Die Grenzen unserer Sprache sind auch die Grenzen unserer Welt”. Die ökonomische Logik der Kosten-Nutzen-Analyse könne im Kontext der planetaren Grenzen nicht funktionieren. Ein Beispiel ist die Schwierigkeit der ökonomischen Wertung von Ökosystemdienstleistungen.

© Florian Schuh
© Florian Schuh

 

In der anschließenden Panel-Diskussion hob Prof. Dr. Peter Messerli (University of Bern) hervor, dass das Konzept der “regenerative cultures” deutlich macht, dass für die benötigte Beschleunigung der Transformation positive feedback loops nötig seien. Zugleich wies er auch auf die Frage nach der globalen Gerechtigkeit und auf das Recht auf wirtschaftliche Entwicklung hin. Außerdem müssten die Wohlfahrtsindikatoren in lokale Realitäten übersetzt werden können. Er problematisierte, dass in der Politik häufig ein „SDG-Ranking“ verwendet werde. Dies verkenne die Verflechtung der einzelnen Ziele.

Prof. Dr. Julia Steinberger (UNIL) sprach sich dafür aus, über die Messung des Wohlstands hinauszugehen und die aktuellen Konsum- und Produktionsgewohnheiten ins Zentrum der Diskussion zu rücken. Sie argumentierte, dass eine der Triebfedern für ein nicht nachhaltiges Wachstum die in der Gesellschaft verankerte Vorstellung sei, dass Wohlstand vom Konsum abhänge, obwohl die Forschung eindeutig zeige, dass materieller Wohlstand über ein bestimmtes Mindestmaß hinaus das menschliche Wohlergehen nicht beeinflusst. Ihrer Ansicht nach sollten Wissenschaftler die Rolle mächtiger Wirtschaftssektoren und -akteure offener hinterfragen und die Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen, im Sinne der zukünftigen Generationen zu handeln.

Prof. Dr. Tom Krebs (Universität Mannheim) zeigte sich offen für mögliche Alternativen zum BIP. Es sei denkbar, einen Indikator zu entwickeln, der den materiellen Wohlstand, die ökologische Nachhaltigkeit und die soziale Gerechtigkeit kombiniere. Zudem warb er dafür, ein einheitliches Entscheidungskalkül festzulegen und erklärte den Konsequentialismus zu der damit zusammenhängenden philosophischen Grundlage.

Janine von Wolfersdorff (THE NEW INSTITUTE) wies auf die bestehenden Fehlanreize im Steuersystem hin. Einerseits spiegelten sich die Umwelt-Risiken noch nicht in der Rechnungslegung wider, was ein grundlegendes Problem für die ökologische Transformation der Wirtschaft sei. Andererseits würde aus Unternehmenssicht vermehrt der Wunsch geäußert, das Steuersystem entsprechend den ökologischen Problemen anzupassen. Dies habe auch eine kürzlich vom The New Institute in Auftrag gegebene Studie gezeigt.

Als Fazit aus dieser Session könnte man ziehen, dass weitere Indikatoren über das BIP hinaus nötig sind, dass uns diese aber nicht entbinden von unserer Verantwortung zu handeln und dass, wenn wir das Wachstum in Frage stellen, wir auch diejenigen in Frage stellen müssen, die von dem Wirtschaftssystem profitieren.

Die gesamte Session als re-live hier:

 

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.