Quick & New –
der New-Economy-Ticker
Aktuelle Nachrichten, Debatten, Vorschläge und Entwicklungen zum neuen ökonomischen Denken auf einen Blick.
Mehr Schulden – dringend nötig oder gefährlich? – Streitgespräch (Paywall)
Bastian Brinkmann, SZ, 01.06.2022
140 Milliarden Euro will sich die Ampel-Regierung als neuen Kredit genehmigen. Das ist hoch umstritten, nicht nur im Bundestag, sondern auch unter Ökonomen. Ein Streitgespräch.
Der zinspolitische Balanceakt der EZB – Artikel (englisch)
Jens van’t Klooster, Project Syndicate, 01.06.2022
Beim Versuch der geldpolitischen Entscheidungsträger, die rekordhohe Inflation in der Eurozone in den Griff zu bekommen, sollten sie nicht vergessen, dass Finanzstabilität und ein schnellerer ökologischer Wandel für die Preisstabilität entscheidend sind. Wenn grüne Investitionen gekürzt werden, um die Preise kurzfristig zu drücken, wird die Wirtschaft anfälliger für klimabedingte Schocks.
Die Politische Zeitenwende ist auch eine ökonomische Zeitenwende – Deutschland und Europa brauchen jetzt eine ökonomische und soziale Resilienzstrategie – Artikel
Matthias Machnig, bpö, 31.05.2022
Der 24.02.2022 hat die Welt fundamental verändert. Politisch und geopolitisch, denn mit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine kommt die lange Zeit stabile Nachkriegsordnung und postkommunistische Friedens- und Sicherheitsordnung in Europa zu einem Ende. Diese politische Zeitenwende hat nicht nur eine geopolitische Dimension, sondern sie leitet auch eine ökonomische Zeitenwende ein. Diese ökonomische Zeitenwende wird geprägt sein von einer Kumulation unterschiedlicher Krisen und Krisensymptomen.
Erfolgreiche Deglobalisierung – Artikel
Joseph Stiglitz, Project Syndicate, 31.05.2022
Auf dem diesjährigen Treffen der wirtschaftlichen und politischen Eliten in Davos wurde deutlich, dass die langjährige Vision einer Welt ohne Grenzen nicht mehr glaubwürdig ist. Leider wurde auch deutlich, dass die Anerkennung dieser grundlegenden Wahrheit nicht gleichbedeutend ist mit einer vollständigen Abrechnung mit den Fehlern der Vergangenheit.
Das Ende der fossilen Ära? – Artikel
Vera Huwe, Stephan Stuckmann, Makronom, 30.05.2022
Der Aufstieg des Asset Manager Kapitalismus ändert die Besitzstruktur fossiler Energiekonzerne fundamental. Doch trotz ihrer Exposition gegenüber systemischen Klimarisiken bleiben Asset Manager Akteur*innen des Status Quo.
Mit Angebotspolitik zurück in die Zukunft? – Artikel
Rudi Kurz, Makronom, 25.05.2022
Mit einem ambitionierten Strategiepapier hat Finanzminister Christian Lindner versucht, eine erste wirtschafts- und finanzpolitische Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit zu geben. Aber wie weit können die Konzepte aus den 70er Jahren in der Zeitenwende tragen?
Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Christian R. Proaño, Juan Carlos Peña und Thomas Saalfeld von der Universität Bamberg untersucht die Beziehung zwischen Ungleichheit und politischer Polarisierung in fortgeschrittenen Volkswirtschaften.
Die interessanteste Erkenntnis ist, dass sich der Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und politischer Polarisierung in den letzten 20 Jahren deutlich verändert zu haben scheint. Während vor dem Jahr 2000 die Ungleichheit mit dem Erfolg linksextremer Parteien bei Wahlen verbunden war, konnten sich seitdem rechtsextreme (aber nicht linksextreme) Parteien höhere Ungleichheit durch höheren Stimmenzuwachs zu Nutze machen.
Sowohl die durchschnittliche Ungleichheit der Nettoeinkommen als auch der Einkommensanteil der unteren 10 % sind statistisch signifikant, während die Einkommensanteile der oberen 10 % oder der oberen 20 % nicht signifikant sind. Der Zusammenhang zwischen der Einkommensungleichheit und dem zunehmenden Erfolg rechtsextremer Parteien scheint also auf der Verschlechterung der relativen wirtschaftlichen Position insbesondere der ärmsten Bevölkerungsgruppe zu beruhen.
Die vollständige Studie gibt es hier.
Die Studie „Eigentlich europäisch!“ von Das Progressive Zentrum und Heinrich-Böll-Stiftung untersucht, wie die Bundesbürger das Handeln der Bundesregierung und der EU bewerten und welche Erwartungen sie an die Rolle Deutschlands in Europa haben. Die Langzeitstudie erhebt zudem zum vierten Mal in Folge, wie die Deutschen die Rolle ihres Landes in der EU wahrnehmen.
Basierend auf den Ergebnissen der Umfrage identifizieren die Autoren drei Hauptbereiche der zukünftigen deutschen EU-Politik:
Maßnahmen.
Die vollständige Zusammenfassung der Studienergebnisse gibt es hier.
Am 30./31. Mai findet in Berlin und digital der jährliche Tag der progressiven Wirtschaftspolitik statt.
In diesem Rahmen findet auch die Preisverleihung des Hans-Matthöfer-Preis 2022 für Wirtschaftspublizistik statt samt Laudatio des Jurymitglieds Thomas Fricke statt. Außerdem werden folgende Fragen auf mehreren spannenden Panels u.a. mit Sven Giegold, Moritz Schularick, Martin Sandbu und vielen mehr diskutiert:
Wie bewältigen wir den Modernisierungsdruck in Krisenzeiten? Wie schaffen wir eine gerechte Verteilung von Kosten und Nutzen in der Transformation?
Wie sieht eine neue Wirtschaftspolitik aus, die den immensen Herausforderungen gerecht wird?
Wie können wir Wohlstand und sozialen Zusammenhalt sichern?
Umfrage: Inflation ist die größte Sorge der Menschen in Deutschland – Artikel
Handelsblatt, 16.05.2022
Die rasch steigenden Preise beunruhigen die Verbraucher nach einer Umfrage zurzeit besonders stark. Fast jeder Dritte fürchtet, seinen Lebensstil einschränken zu müssen.
Herr der Rentenlöcher: Das ist der neue Wirtschaftsweise – Artikel
Alexander Hagelüken, Süddeutsche Zeitung, 14.05.2022
Der Ökonom Martin Werding rechnet den Deutschen vor, wie viele Milliarden demnächst in Alters- und Staatskassen fehlen. Seine Berufung wertet das wirtschaftspolitische Gremium der Bundesregierung auf.
A Better Globalization Might Rise from Hyper-Globalization’s Ashes – Artikel
Dani Rodrik, Project Syndicate, 09.05.2022
Mit dem Ende der Hyperglobalisierung nach den 1990er Jahren gibt es verschiedene Szenarien für die Weltwirtschaft. Im besten Fall könnte ein besseres Gleichgewicht zwischen den Vorrechten des Nationalstaats und den Erfordernissen einer offenen Wirtschaft umfassenden Wohlstand im Inland und Frieden und Sicherheit im Ausland ermöglichen.
„Man kann Wohlstand nicht so messen wie Temperatur“ – Artikel
Christina Rebhahn-Roither, Süddeutsche Zeitung, 06.05.2022
Aktuell wird viel über den Wohlstand der Deutschen diskutiert. Warum dieser gar nicht so einfach zu definieren und noch schwieriger zu messen ist.
Staatsschulden sind keine Wachstumsbremse – Kommentar
Philipp Heimberger, Handelsblatt, 26.04.2022
Herausgeber von Journals publizieren häufig Aufsätze mit statistisch abgesicherten Effekten. So werden Regierungen allerdings zum Entschulden animiert, beklagt Philipp Heimberger.