Quick & New –
der New-Economy-Ticker
Aktuelle Nachrichten, Debatten, Vorschläge und Entwicklungen zum neuen ökonomischen Denken auf einen Blick.
Wichtige Teile der deutschen Industrie schrumpfen stark – Artikel (Paywall)
Alexander Hagelüken, Süddeutsche Zeitung, 14.11.2022
Energieintensive Branchen produzieren seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs über zehn Prozent weniger. Durch politische Fehler könnte sich das noch verschärfen, warnen Ökonomen.
Ein ineffizientes Milliardengeschenk für die Industrie – Blogbeitrag
Tom Krebs, Makronom, 15.11.2022
Die von der ExpertInnen-Kommission empfohlene Gaspreisbremse für industrielle Verbraucher ist gut für Konzerne wie BASF und ihre Eigentümer – aber schlecht für die deutschen Steuerzahler.
Ist Klimaschutz eine Frage der (Um-)Verteilung? – Podcast
Henrike Adamsen & Victoria Hünewaldt, Makronom, 10.11.2022
Ein Gespräch mit DIW-Präsident Marcel Fratzscher über die Finanzierung von Klimaschutz, die Auswirkungen auf unterschiedliche Einkommensgruppen und die Maßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise.
Die EU fängt an, ihre fiskalischen Nesseln anzupacken – Kolumne (Englisch)
Martin Sandbu, FT, 10.11.2022
Der neue Vorschlag akzeptiert, dass Haushaltsregeln die Politik ergänzen und nicht ersetzen müssen.
Wirtschaftsweisen-Chefin Monika Schnitzer plädiert für Energie-Soli – Artikel
Julian Olk, Handelsblatt, 09.11.2022
Die neue Vorsitzende verteidigt den überraschenden Vorschlag des Sachverständigenrats für Steuererhöhungen – und erklärt, wie das wichtige Beratungsgremium sich verändern muss.
Der unternehmerische Staat muss beim Klimaschutz die Führung übernehmen – Artikel (Englisch)
Mariana Mazzucato, Project Syndicate, 04.11.2022
Während die viel beschworene grüne Allianz der Finanzinstitute zerbröckelt, hat sich der private Sektor einmal mehr als unfähig erwiesen, eine Führungsrolle im Klimaschutz zu übernehmen. Der globale Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft wird einfach nicht in dem erforderlichen Tempo erfolgen, wenn die Staaten nicht die ihnen zustehende Rolle als Marktmacher und Investor in öffentliche Güter wahrnehmen.
In einem neuen Beitrag kritisieren Isabella Weber und Sebastian Dullien, dass Unternehmen ihr subventioniertes Gaskontingent „am Markt verwerten“ dürfen, was nach der Meinung der Autoren einen Anreiz dafür schaffen könnte, eigene Produktion zurückzufahren und sich auf den teureren Weiterverkauf von Gas zu konzentrieren. Um diesen „Winterschlaf“ zu vermeiden, argumentieren sie, dass der ausgezahlte Betrag an Industrieunternehmen verbrauchsabhängig sein sollte, wobei der Sparanreiz durch die Begrenzung auf 70 bzw. 80 Prozent des Verbrauchs gegeben sei.
Um das Dollarsystem und das internationale Finanzsystem wirklich zu verstehen, ist die Frage, wie die Welt so abhängig vom US-Dollar wurde, entscheidend. Ein neues Buch der INET-Buchreihe und der Cambridge University Press geht genau dieser Frage nach.
Money and Empire: Charles P. Kindleberger and the Dollar System, von Perry Mehrling, Wirtschaftsprofessor an der Boston University, skizziert die Entwicklung von Kindlebergers wirtschaftlichem Denken im Kontext eines „Key-Currency“-Ansatzes zum Aufstieg des Dollarsystems, das seit dem Zweiten Weltkrieg als unverzichtbarer Rahmen für die globale wirtschaftliche Entwicklung diente.
Das Buch ist eine Biografie sowohl des Dollars als auch eines Mannes und erzählt die Geschichte der Entwicklung von Ideen über die Funktionsweise des Geldes und die Entstehung des Dollarsystems, die im Gegensatz zu dem weit verbreiteten Mythos des Multilateralismus von Bretton Woods steht.
Wie Adam Tooze in seiner Rezension des Buches feststellt, verstand Kindleberger Geld und Bankwesen als inhärent transnational, mit räumlich verstreuten Eigentumsverhältnissen und Kontrollmöglichkeiten. Dieses Verständnis der globalen Kreditschöpfung steht in gewisser Weise im Widerspruch zu der Auffassung von Banken als Intermediäre, die den Arbeiten der diesjährigen Nobelpreisträger zugrunde liegt.
Als Ben Bernanke Kindleberger um eine Stellungnahme zu seinem Aufsatz Non-Monetary Effects of the Financial Crisis in the Propagation of the Great Depression (1983) bat, erhielt er die folgende Antwort, die den Grad der intellektuellen Meinungsverschiedenheit unterstreicht: „Ich denke, Sie haben eine höchst geniale Lösung für ein Nicht-Problem geliefert“. Lesen Sie Kindlebergers gesamte Antwort hier.
Eine Reform des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt steht schon länger im Raum. Jetzt hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag vorgelegt. Die Regeln sollen den Mitgliedsstaaten mehr Flexibilität beim Abbau von Schulden gewähren, aber gleichzeitig verbindlicher werden.
Eine Übersicht über verschiedene Reformvorschläge von Jan Priewe gibt es hier. Außerdem gibt es hier eine Studie des ZOE-Instituts zu den Auswirkungen verschiedener Fiskalregeln auf eine gerechte grüne Transformation.
Biden droht Ölkonzernen mit Übergewinnsteuer – Artikel
Der Spiegel, 01.11.2022
Kurz vor den Zwischenwahlen in den USA geht Präsident Biden die Ölindustrie scharf an. »Entweder sie senkt die Preise an der Zapfsäule, oder sie zahlt eine höhere Steuer.«
Wer zerstörte die amerikanische Demokratie? – Artikel
Angus Deaton, Project Syndicate, 27.10.2022
Die Demokratie basiert auf Gleichheit, und alle Bürger sollten die gleiche Chance haben, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Doch in den Vereinigten Staaten hat das politische System und das Wahlsystem zu lange die Interessen der Eliten und der Wohlhabenden auf Kosten derjenigen befriedigt, die keinen Hochschulabschluss haben.
Wie das Vereinigte Königreich zu einem der ärmsten Länder Westeuropas wurde – Artikel
Derek Thompson, The Atlantic, 25.10.2022
Großbritannien wählte das Finanzwesen anstatt der Industrie, Sparmaßnahmen statt Investitionen und eine geschlossene Wirtschaft statt die Öffnung gegenüber der Welt.
EU-Staats- und Regierungschefs begrüßen Durchbruch beim Plan zur Begrenzung der Gaspreise zur Bewältigung der Energiekrise – Artikel
Financial Times, 21.10.2022
Die Preise sinken um 7 %, nachdem sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt haben, die Details der Vorschläge zur Senkung der Kosten für Haushalte und Unternehmen fertigzustellen.
Michael Sandel – Das Leistungsdenken zersetzt unsere Gesellschaft – Video
SRF, 02.10.2022
«You can make it if you try!» Diese Formel ist breit akzeptiert, ebenso der Glaube, wer zu Erfolg und Wohlstand kommt, verdient dies auch. Michael Sandel, einer der erfolgreichsten Philosophen, sagt, dass dies nicht stimme und für die Gemeinschaft sogar gefährlich sei.