Quick & New –
der New-Economy-Ticker
Aktuelle Nachrichten, Debatten, Vorschläge und Entwicklungen zum neuen ökonomischen Denken auf einen Blick.
Sparen oder nicht sparen? – Artikel
Petra Pinzler, Die Zeit, 10.08.2023
Das ist hier die falsche Frage. Warum diskutieren wir immer noch so wirklichkeitsfremd – statt uns die Welt in Zeiten der Klimakrise mal neu anzuschauen?
Good Governance ist eine schlechte Idee – Artikel
Katharina Pistor, Project Syndicate, 09.08.2023
Die Good-Governance-Agenda war immer dazu gedacht, die zugrunde liegenden Machtstrukturen zu verschleiern, indem technokratische Entscheidungen über politische Kämpfe gestellt wurden. Die vollen Kosten sind erst vor kurzem deutlich geworden, da das Paradigma wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel blockiert.
Ökonomen überdenken Industriepolitik – Artikel
Dani Rodrik, Réka Juhász, Nathan Lane, Project Syndicate, 04.08.2023
In der Vergangenheit konzentrierten sich Ökonomen, die die Leistung industriepolitischer Maßnahmen bewerteten, häufig auf Indikatoren wie Importzölle, wobei sie nur begrenzte Dimensionen solcher Maßnahmen erfassten und ihre Ziele mit anderen vermengten. Eine neue Generation von Forschungsarbeiten verfolgt einen produktiveren Ansatz – und kommt zu ganz anderen Schlussfolgerungen.
Italien schockiert Banken mit einer 40-prozentigen Sondersteuer für 2023 – Artikel
Angelo Amante, Valentina Za and Giuseppe Fonte, Reuters, 08.08.2023
Italien hat seinen Banken einen überraschenden Schlag versetzt und den gesamten Sektor in Europa erschüttert, indem es eine einmalige Steuer von 40 % auf Gewinne aus höheren Zinssätzen festsetzte, nachdem es die Kreditinstitute dafür gerügt hatte, dass sie Einlagen nicht belohnt hatten.
Der Druck auf Lindner und die Schuldenbremse wächst – Artikel (Paywall)
Georg Ismar, Süddeutsche Zeitung, 06.08.2023
SPD-Politiker, Berlins Regierungschef und bekannte Ökonomen fordern, befristet mehr Schulden aufzunehmen – wegen der wirtschaftlichen Lage und der Wohnungsnot.
„Protestwähler-These war nie richtig“: Wer wählt die AfD? – Artikel
Max Kienast, Jasmin Brock, BR, 03.08.2023
Im ARD-DeutschlandTrend erreicht die AfD erneut Rekordwerte. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden 21 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen. Wer gibt der Partei seine Stimme? Ein demografischer Überblick.
Fundamental global – Artikel (Paywall)
Sven Beckert, Die Zeit, 05.08.2023
Der Kapitalismus gilt als Erfindung Europas. Doch seine Geschichte beginnt genauso mit arabischen, afrikanischen, indischen, chinesischen Kaufleuten, Bauern und Geldverleihern.
Kann die Philosophie von John Rawls die liberale Demokratie retten? – Blogpost
Nick French, Cataylst Journal, 31.07.2023
Die Ideen von John Rawls, dem vielleicht größten politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, haben der Linken viel zu lehren. Aber Rawls‘ Theorien haben es versäumt, sich angemessen mit den grundlegenden Hindernissen auseinanderzusetzen, die der Kapitalismus der Verwirklichung einer gerechten Gesellschaft entgegenstellt.
Die Welt wird in den nächsten zehn Jahren 4,7 Billionen Dollar an Steueroasen verlieren, wenn die UN-Steuerkonvention nicht angenommen wird, so die Warnung der Länder – Blogpost
TaxJustice Net, 25.07.2023
Das Tax Justice Network (Netzwerk für Steuergerechtigkeit) warnt davor, dass den Ländern in den nächsten zehn Jahren fast 5 Billionen US-Dollar an Steuern entgehen werden, weil multinationale Unternehmen und wohlhabende Einzelpersonen Steueroasen nutzen, um zu wenig Steuern zu zahlen.
So weit liegen Arm und Reich auseinander – Artikel (Paywall)
David Böcking & Holger Dambeck, Der Spiegel, 31.07.2023
Wer bekommt viel, wer wenig? In den USA oder Großbritannien ist die Einkommenskluft zwischen den unteren und den oberen zehn Prozent gewaltig. Vier Grafiken zeigen, wie es in Deutschland aussieht – und im Rest der Welt.
Die Verteilung des Einkommens zwischen Löhnen und Profiten ist ein gesellschaftlicher Prozess und kennt daher keine natürlichen Regeln. Dass Unternehmen Kostenschocks einfach so weiterreichen können, während Beschäftige diese mit Reallohnverlusten ausbaden, verweist vielmehr auf die Schwäche der Gewerkschaften und die Stärke des Kapitals. Während Mainstream-Ökonomen immer davor warnen, die Höhe von Löhnen oder Sozialleistungen automatisch an die Inflation anzupassen – was ein Großteil der Deutschen unterstützen würde – sind solche Indexierungen für Kapitaleinkommen de facto der Fall: Wenn Firmen Kostensteigerungen eins zu eins weitergeben können, oder sie wie bei den 70 Prozent Indexmieten in Berlin sogar im Vertrag stehen.
Den ganzen Artikel gibt es hier.
Mit dem Lastenrad fahrendes grünes Großstadtmilieu gegen die Auto fahrende konservative Landbevölkerung. Dieser (vermeintliche) Gegensatz ist allgegenwärtig in der Klimadebatte. Doch was ist eigentlich dran an dieser Polarisierungshypothese? Ein neuer Bericht von Jan Eichhorn, Direktor von d|part, zeichnet ein differenzierteres Bild.
In Debatten zu Klimakrise und Energiewende wird oft ein Bild großer Unterschiede der
Einstellungen von in städtischen und ländlichen Regionen lebenden Menschen gezeichnet. Doch trifft das wirklich zu? Basierend auf repräsentativen Umfragedaten analysiert die vorliegende Studie, wie Menschen in verschiedenen Wohnortsumfeldern über klima- und energiepolitische Themen nachdenken. Dabei zeigt sich, dass es zwischen ihnen generell nur nuancierte Unterschiede in Ansichten zur Wichtigkeit der Klimakrise und der Präferenz für bestimmte Maßnahmen gibt. Allerdings unterscheiden sich die Profile der Menschen, die bestimmte Ansichten über Wohnortsumfelder hinweg teilen, teils deutlich. Das gilt insbesondere auch für Anhänger/innen verschiedener Parteien. Die Analyse zeigt deutlich, dass eine zielgruppenorientierte Ansprache zu Klima- und Energiepolitik dann erfolgversprechend ist, wenn persönliche Charakteristika von Menschen und ihr
Wohnortsumfeld gemeinschaftlich betrachtet werden.
Den ganzen Bericht gibt es hier.
Das Ringen um die grüne Notenbank – Artikel
Christian Siedenbiedel, FAZ, 26.07.2023
Die EZB hat im Juli ihre Anleihekäufe nach Klimakriterien praktisch eingestellt. Greenpeace spricht von einem „gebrochenen Versprechen“. Es gibt neue Ideen – doch die haben einen Haken.
Schulden, Wasserstoff, Inflation – der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze und die Wirtschaftsweise Veronika Grimm haben große Differenzen. Wer hat die besseren Argumente?
Vor den Wahlen in Italien im vergangenen Herbst wurde Giorgia Meloni weithin als Bedrohung dargestellt. In diesem Sommer wurde ihr alles verziehen – ihre jugendliche Bewunderung für Benito Mussolini, die Verbindungen ihrer Partei zu Neofaschisten, ihre oft extreme Rhetorik -. Frau Meloni, die für ihre Sachlichkeit und ihre Unterstützung für die Ukraine gelobt wurde, hat sich als verlässliche Partnerin des Westens etabliert, die bei Treffen der Gruppe der 7 und bei NATO-Gipfeln gleichermaßen im Mittelpunkt steht.
Die Rechte Mitte in Deutschland nähert sich, wie viele ihrer Pendants in anderen europäischen Ländern, den Nationalisten an, weil sie nicht mehr weiß, wofür sie steht.
KI verändert alles – Artikel
Harold James, Project Syndicate, 26.07.2023
Während frühere technologische Entwicklungen das menschliche Verhalten und Erscheinungsbild veränderten, wird der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz die grundlegenden sozialen und politischen Überzeugungen der Menschen umgestalten, auch was das Wesen und die Rolle des Staates betrifft. Der Einsatz von autonomen Waffen im Krieg ist ein Beispiel dafür.
Das Wirtschaftsministerium sucht nach Wegen, Wohlstand jenseits der Wachstumszahlen zu definieren. Bevölkerung, Wissenschaft und Wirtschaft sind zur Teilnahme aufgerufen.
Wer ein Unternehmen erbt und die Erbschaftsteuer nicht zahlen kann, bekommt es steuerfrei übertragen. Im vergangenen Jahr wurden 24 Menschen so 1,4 Milliarden Euro erlassen. Ist das ein Steuertrick?
Wir haben enge, aber erdrückende soziale Netze gegen ein kapitalistisches Sicherheitsnetz eingetauscht, das uns moderne Lebensoptionen bietet. Jetzt haben wir beides nicht mehr.
Die zunehmende Ungleichheit ist eine Herausforderung für das multilaterale System, schreibt Jayati Ghosh, das sie zunächst richtig messen muss.
Macht Staatsgeld glücklich? – Artikel
Mark Schieritz & Petra Pinzler, die Zeit, 19.07.2023
Muss der Staat Milliarden in die Wirtschaft kippen, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt – und sicher vor politischen Turbulenzen? Ja, sagt die grüne Staatssekretärin Franziska Brantner. Der Ökonom Stefan Kolev hält das für einen Irrweg.
Der US-Verbraucherschutz geht Präsident Joe Biden nicht weit genug. Bei einem Auftritt wetterte er gegen unfaire Firmenfusionen – und den Mietmarkt: »Die Leute sind es leid, für dumm verkauft zu werden.«
Was, wenn die EU rechts wird? – Artikel
Mark Schieritz, die Zeit, 20.07.2023
Die EU gilt als liberales Projekt. Nun könnten nationalistische Kräfte die Macht in Brüssel übernehmen und die EU nach den eigenen Vorstellungen umbauen.
Nein, ihr gehört nicht zur Mittelschicht – Artikel
Nils Wischmeyer, Süddeutsche Zeitung, 15.07.2023
Menschen zählen sich zur Mitte der Gesellschaft, obwohl sie Topverdiener sind oder arm. Das führt zu falschen politischen Entscheidungen. Es gibt nur einen Ausweg: Gehaltszettel auf den Tisch.
Vor allem Union und FDP reden gern von Leistung und Leistungsfähigkeit. Beim Umbau des Steuersystems in diese Richtung verdrücken sie sich aber lieber.
Vollzeitarbeit ist keine Lösung – Artikel
Jutta Allmendinger, Die Zeit, 19.07.2023
Endlich werde über Armut, Familien und Fürsorge gestritten, schreibt die Soziologin Jutta Allmendinger. Das sind ihre Vorschläge für eine moderne Familienpolitik.
Elf Thesen zur Globalisierung – Artikel
Branko Milanovic, Substack, 18.07.2023
In letzter Zeit wurde viel über die Globalisierung und ihre Auswirkungen, insbesondere auf Armut und Ungleichheit, diskutiert, und es wurden viele widersprüchliche, teilweise sogar absurde Aussagen gemacht. Hier sind elf Thesen zur Globalisierung.
Taking Aim at Sellers’ Inflation – Artikel
Isabella M. Weber, Project Syndicate, 13.07.2023
WirtschaftswissenschaftlerInnen und PolitikerInnen in multilateralen und europäischen Institutionen haben endlich akzeptiert, dass die Unternehmensgewinne heute eine der Hauptursachen für die Inflation sind. Doch die richtige Analyse ist nur der erste Schritt; jetzt brauchen wir eine grundlegende Änderung der Art und Weise, wie wir das Problem angehen.
Brüssels Wirtschaftschef sagt, dass die EU Milliarden von Euro in kritische Industrien pumpen muss, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Die Vereinigten Staaten erleben einen Investitionsboom, der auf industriepolitische Maßnahmen zurückzuführen ist, die enorme Subventionen – auch für europäische Unternehmen – für Investitionen in Amerika, vor allem im Bereich der grünen Technologien, gewähren. Europa reagiert unterdessen mit einer Rückkehr zur Sparpolitik, die es überhaupt erst hinter die USA zurückfallen ließ.