Rückblick und Ausblick auf 2022

Wir werfen einen Blick darauf, was das vergangene Jahr für uns als Forum und für uns alle bedeutet hat, und geben einen Einblick in die spannenden Projekte, die wir für 2022 planen.

 

Liebe Freunde, Kolleginnen und Kollegen,

es gehört zu den Grundannahmen für das, was wir als Forum New Economy machen: mit dem jahrzehntelang herrschenden Mantra vom Markt, der alles besser macht, lassen sich weder Klimakrise, noch Reichtumsgefälle, auseinandergedriftete Lebensverhältnisse, der Realität entrückte Finanzmärkte oder Zweifel an der Globalisierung beheben. Die Erkenntnis schwingt ein wenig auch durch den Vertrag, mit dem die Ampel-Koalitionäre die Ära Merkel dieses Jahr beendet haben – nicht ganz so sehr durch manche Personalentscheidung – und wie sie in Deutschland so kommentiert wird. Sagen wir, was die Bundesbank angeht. Das Lob für jemanden, der gut ist, weil er die „alte stabilitätsorientierte“ Tradition hochhält, klingt noch nicht so ganz überzeugt vom Neuerungsbedarf – obwohl eine Neudefinition der Rolle von Notenbanken in Zeiten von Klimawandel und Ungleichheit naheliegt, wie Adam Tooze und Moritz Schularick in ihren Studien darlegen (in Kürze hier). Schließlich haben Notenbanker mit dem, was sie machen, immer auch Einfluss auf Klima und Ungleichheit – anders als es das alte Mantra postulierte.

Wir haben in unserem zweiten Jahr versucht, derart neue ökonomische Ideen aufzufangen, zu beschleunigen und für die Praxis zu übersetzen – ob in Workshops, auf denen Harvard-Ökonom Dani Rodrik mit Siemens-Manager Joe Kaeser über eine Neudefinition der Globalisierung diskutiert hat; oder in Seminaren, in denen es darum ging, wie die nötigen Großinvestitionen der neuen Regierung ohne Bruch der Schuldenbremse zu finanzieren sind. Wir haben Mariana Mazzucato mit Wolfgang Schmidt (inzwischen Kanzleramtschef) über eine missionsorientierte Politik sprechen lassen; Barry Eichengreen über Bidenomics, Minouche Shafik, die Chefin der London School of Economics, über einen neuen gesellschaftlichen Vertrag – und Stormy-Annika Mildner über den Cornwall Consensus, der den Washington Consensus ersetzen könnte. Wir haben Studien darüber in Auftrag gegeben, wie sich die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland am besten reduzieren ließe – oder darüber, wie ein neues Paradigma vor Finanzskandalen schützen könnte.

Dazu ging es in Symposien um eine schlaue Antwort auf die emotionale Frage nach Wachstum oder Schrumpfung der Wirtschaft – ein müßiger Grundsatzstreit. Die Studie dazu erscheint in Kürze. Und es ging darum, wie ein neues großes Paradigma aussehen könnte, das den marktliberalen Vorgänger ersetzen könnte. Was an neuen Narrativen dazu schon kursiert, haben wir in Umfragen zu wichtigen Leitsätzen der Parteien im Bundestagswahlkampf auszuloten versucht – Trend: es gibt sie schon, und sie kommen an.

Wenn es bei alledem eine Konstante gab, dann das Gefühl, dass es dringend etwas Neues braucht – und die Nachfrage danach groß ist. Wenn auch nicht jede Personalentscheidung in Berlin das schon spüren lässt. Im neuen Jahr werden wir denselben Bogen wieder spannen. Wir planen für 2022, der Frage nachzugehen, warum die Franzosen einen so starken Hang haben, rechte Präsidenten wählen zu wollen – und ob die (sozio-ökonomischen) Gründe so anders sind als in Deutschland. Wir planen einen großen Workshop dazu, wie genau denn die neue Rolle des Staates aussehen soll – um am Ende nicht einfach nur mehr Bürokratie und Schulden zu bekommen. Zugesagt haben unter anderen Paul de Grauwe, Moritz Schularick, Nick Stern, Laurence Tubiana und Jens Südekum. Save the date: am 24. und 25. Mai in Berlin und hoffentlich „in person“.

Zum Jahresstart haben wir unter anderem am 19. Januar Steve Keen zur Diskussion seines neuen Buchs „The New Economics: A Manifesto“ im New Economy Short Cut. Im Laufe von 2022 werden wir zudem unsere Knowledge Base aktualisieren, die für all jene zur Referenz werden soll, die wissen wollen, was der letzte Stand von Forschung und Erkenntnis zur Lösung der großen Krisen ist. Stay tuned! Alles weitere und noch viel mehr dann im neuen Jahr – auf dass es das Jahr wird, in dem die Pandemie unter dem Druck von Karl Lauterbach endlich vorüber geht!

Bis dahin wünschen wir Ihnen frohe und besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch,


Thomas Fricke und das Forum-Team

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