Servaas Storm: Austerität erhöht Zahl der Covid-Toten

Bislang hat die Covid-19-Pandemie weltweit fast drei Millionen Todesfälle verursacht. Hat Austerität die Pandemie verschlimmert? Laut Servaas Storm ist die Antwort auf diese Frage eindeutig

 

Ein oft zitierter Satz in der Covid-Pandemie, ‚wir sitzen alle im selben Boot‘, scheint nicht wirklich zu passen, wenn man sich die länderspezifischen Unterschiede bei den Todesopfern betrachtet, die die Pandemie bisher gefordert hat. Warum geht es einigen Ländern besser als anderen? In einem Blogbeitrag für Intereconomics* vergleicht der niederländische Wirtschaftswissenschaftler Servaas Storm verschiedene makroökonomische Variablen und politische Maßnahmen in einem Panel von 22 OECD-Ländern und beleuchtet drei entscheidende Faktoren für die unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie.

Erstens stellt er fest, dass zusätzliche öffentliche Ausgaben für sich genommen nicht als Erklärung ausreichen, sondern dass die Kompetenz in der öffentlichen Gesundheitsversorgung als ebenso wichtig angesehen werden muss. Zweitens scheinen strukturelle sozioökonomische Unterschiede – vor allem Einkommensungleichheit – die Sterblichkeit des Virus zu erhöhen, da Haushalte am unteren Rand der Einkommensverteilung eine größere Last chronischer Krankheiten tragen und schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Drittens können fiskalische Einschränkungen als Erklärung für die höhere Sterblichkeit in südeuropäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien dienen, in denen die öffentlichen Pro-Kopf-Ausgaben relativ niedrig waren, weil die fiskalische Kapazität der Regierung, die Ausgaben zu erhöhen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Gesundheitskrise abzufedern, begrenzt war.

Daraus zieht Storm die Schlussfolgerung, dass die Pandemie „einige der bereits bestehenden strukturellen Mängel unserer Gesellschaften aufgedeckt hat, die das Ergebnis einer allgegenwärtigen politischen Gleichgültigkeit gegenüber Ungleichheit waren, kombiniert mit jahrzehntelangen Kürzungen der grundlegendsten sozialen Absicherungen und der Löhne, wodurch große Teile unserer Bevölkerungen auf tragische Weise für dieses Virus anfällig wurden.“

Laut Storm haben (Makro-)Ökonomen zu viel Wert auf Austerität (Sparmaßnahmen) gelegt, was zu Unterinvestitionen in wichtige Infrastrukturen wie dem Gesundheitswesen führt. „Staatsausgaben für Gesundheit und sozialen Schutz sind keine ‚Kosten‘, sondern entscheidend für die Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität und die Stärkung der gesellschaftlichen und individuellen Widerstandsfähigkeit gegenüber tödlichen Krankheitserregern.“

*Es gibt auch eine längere Version dieses Artikels, die als Working Paper veröffentlicht wurde, und die Sie hier finden können.

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