Von Brexit und Trump zum Start des Forum New Economy in Berlin

Ob Klimawandel, gefährlich zunehmende Ungleichheit oder die Krise der Globalisierung – der Bedarf an ganz neuen Antworten ist groß — von Thomas Fricke und Simon Tilford.

 

Als diese Initiative ihren Anfang nahm, hatten die Briten gerade mehrheitlich für den Brexit gestimmt – und Donald Trump in den USA die Wahlen gewonnen. Beides hatte 2016 einen Schock ausgelöst – und die Vermutung genährt, dass dahinter mehr als nur ein paar zufällige politische Schocks steckten. Dass in so vielen Ländern aus Protest Populisten gewählt wurden, muss einen anderen gemeinsamen Grund haben. Und einiges schien darauf hinzudeuten, dass der gemeinsame Nenner im Scheitern eines wirtschaftspolitischen Paradigmas steckte, das über ein paar Jahrzehnte die Globalisierung maßgeblich bestimmt hatte und mit der großen Finanzkrise 2008 in eine tiefe Krise gestürzt war.

Die Geschichte zeigt: wenn solche Paradigmen als Leitmotive für Politik scheitern, entsteht ein Vakuum, das vor allem Populisten mit einfachen, aber gefährlichen Antworten schnell zu nutzen wissen.

Fast drei Jahre und eine ganze Reihe von Workshops und explorativen Studien später sind wir jetzt dabei, die Initiative in eine physische Plattform mit dem Namen Forum New Economy mit Sitz in Berlin-Mitte zu verwandeln. Aus diesem Anlass  halten wir heute, am 31. Oktober, mit etlichen renommierten deutschen und internationalen Experten die Eröffnung des Forums (siehe Programm). Wie bei diesem Event wollen wir künftig innovative Forschung anstoßen und begleiten sowie Forscher mit Politikern und Bürgern zusammenbringen.

Unsere explorativen Arbeiten seit Anfang 2017 haben dabei unseren Anfangsvermutung stark bestätigt: wir brauchen dringend ein neues Paradigma, ein neues Leitmotiv – um damit die trügerisch simple Lehre von der Unfehlbarkeit der Märkte durch etwas zu ersetzen, was besser zur Lösung der großen Probleme unserer Zeit taugt. Sonst wird es schwierig, diese Herausforderungen zu lösen – ob Klimawandel, Ungleichheit oder die Krise der Globalisierung. Und sonst wird es schwer, die Leute davon zu überzeugen, dass es bessere Antworten gibt als die, die ihnen der eine oder andere Menschenfänger heute bietet.

Kurz: Es geht um ein Rennen gegen die Zeit.

Unsere Mission

Das Forum New Economy – Plattform für ein neues wirtschaftliches Leitmotiv geht nach zweieinhalb Jahren Testphase jetzt in Berlin an den Start. Ziel ist es, angesichts der Krise der westlichen liberalen Demokratien und des Aufstiegs populistischer Kräfte neue Antworten zu entwickeln und innovative ökonomische Denker mit politischen Akteuren in Berlin zusammen zu bringen. Grundannahme dabei ist, dass es im Kampf gegen die großen Herausforderungen, wie den Klimawandel, das Auseinanderdriften von Einkommen und Vermögen oder die anhaltende Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte – mehr braucht, als einzelne technische Antworten. Es mangelt vielmehr an einem neuen wirtschaftlichen Paradigma, das Orientierung bietet. 

Das Forum wird unterstützt von bedeutenden Organisationen wie der OECD, dem Institute for New Economic Thinking und dem Pariser Institut OFCE, sowie von Stiftungen wie der Hewlett Foundation, der Mercator Stiftung, der European Climate Foundation, der Bennemann, der Canopus Stiftung und dem Makronom. Darüber hinaus kooperiert die Initiative über ein Forschungsprojekt mit dem DIW Berlin. Unterstützt wird das Forum zudem von ein paar Dutzend renommierter Experten aus dem In- und Ausland, darunter Mariana Mazzucato, Branko Milanovic, Joe Stiglitz, Michael Spence, Moritz Schularick, Marcel Fratzscher, Martin Hellwig, Jakob von Weizsäcker, Jens Südekum, Tom Krebs, Anatole Kaletsky, Ottmar Edenhofer, Barry Eichengreen, Adair Turner, Laurence Tubiana, Pascal Lamy, Hélène Rey, Katharina Pistor und andere.

Zur künftigen Agenda gehört unter anderem die Fortsetzung der Basis-Studien zu neuralgischen Fragen eines neuen Paradigmas. So wird es Arbeiten geben zu den tieferen Ursachen der Ungleichheit von Einkommen und Vermögen in Deutschland, ebenso wie zu Schuldenbremse und notwendigen künftigen Investitionen und zu den Ursachen von Populismus. Vorgestellt werden die Ergebnisse in New-Paradigm-Workshops, ebenso wie in einzelnen kleineren Veranstaltungen sowie Hintergrundgesprächen mit politischen Akteuren und Journalisten in Berlin. Es wird eine Zweigstelle in Paris geben, wo im September der erste Pariser New Paradigm Workshop zu den wirtschaftlichen Aspekten eines Green New Deals gehalten wurde.

Ein Herzstück des Forums wird die Website mit ihrer New-Paradigm-Wissensbasis sein. Dort werden unter Konsultation international renommierter Experten die jeweils neuesten Erkenntnisse zur Lösung der großen Herausforderungen unserer Zeit zusammengetragen. Neben Klimawandel, Ungleichheit und Finanzmarktinstabilität gehört dazu auch die Globalisierungskrise.

Aus der Presse: ‚Netzwerk für ein neues Denken‘ – Die Zeit, 23. Oktober 2019

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