Forum New Economy und Forsa: Mehrheit der Deutschen unterstützt Eingriffe in Wirtschaft

Eine vom Forum New Economy in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeigt hohe Zustimmung für Corona-Maßnahmen der deutschen Regierung und Handlungsbedarf beim Wirtschaftssystem.

Aufgenommen am 28.09.2020 in Berlin beim VII New Paradigm Workshop des Forum for a New Economy. Foto: Forum for a new economy / Florian Schuh
 

Trotz zunehmender Kritik an den massiven Hilfen und Eingriffen hält eine deutliche Mehrheit der Deutschen es für richtig, wie sehr der Staat in der Corona-Krise in das wirtschaftliche Geschehen interveniert hat. Nur 37 Prozent stimmen eher oder voll und ganz zu, dass die Regierung zu stark eingegriffen habe; 60 Prozent halten den bisherigen Kurs in der Krise für eher oder völlig richtig. Das ergibt eine repräsentative Forsa-Umfrage, die das Forum New Economy anlässlich eines heute startenden Workshops zur Zukunft des deutschen Wirtschaftsmodells in Auftrag gegeben hat.

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger scheint der Umfrage zufolge auch einen grundsätzlich erhöhten Bedarf an staatlicher Hilfe zu sehen. Mehr als 60 Prozent (63) der Befragten gab an, dass das Wirtschaftssystem, wie es heute in Deutschland funktioniert, „in einigen Bereichen“ verbessert werden sollte. Knapp 30 Prozent halten sogar eine „grundlegende“ Erneuerung für nötig. Dass es keinen Änderungsbedarf gibt, sagten nur 5 Prozent – wobei sich dies in etwa durch alle Parteien zieht. Bei den Anhängern von CDU/CSU gaben sich nur 9 Prozent rundherum zufrieden mit der Art und Weise, wie die Wirtschaft in Deutschland funktioniert.

Zum Ausdruck kommt der Wunsch unter anderem bei der Frage, wie stark die Regierung Menschen schützen sollte, wenn infolge größerer Umwälzungen wie der Digitalisierung oder Globalisierung massiv Arbeitsplätze verloren zu gehen drohen. Dass der Staat hier stärker schützen sollte, dem stimmten in der Umfrage 71 Prozent eher oder voll zu ganz zu. Nur 20 Prozent lehnen das ab. Auch stimmen zwei Drittel der Befragten eher oder voll zu, dass „gewählte Politiker angesichts der fortgeschrittenen Globalisierung wieder mehr Einfluss auf die nationale Gesetzgebung bekommen“ sollten. Dem widersprechen nur 27 Prozent. Nur 31 Prozent der Befragten würde die Globalisierung weiter vertiefen – das lehnen 60 Prozent der Deutschen mehr oder weniger deutlich ab.

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Dabei steht der Ruf nach stärkerem Schutz offenbar in direktem Zusammenhang mit einer weit verbreiteten Sorge vor künftigen wirtschaftlich-strukturellen Brüchen. So stimmten 80 Prozent aller Befragten der Erwartung zu, dass das Risiko sozial abzusteigen künftig eher oder sogar stark steigen werde; nur 13 Prozent sehen diese Gefahr nicht oder eher nicht. Auch hier ziehen sich die Ergebnisse durch die Anhängerschaften aller Parteien. Mit zunehmendem Abstiegsrisiko rechnen 78 Prozent der Anhänger von CDU/CSU und 79 Prozent der SPD-Wähler. Bei der Linken sind es mit 92 Prozent mehr, bei der FDP mit 77 Prozent weniger.

So gibt jeder zweite Befragt an, dass das Prinzip des sozialen Ausgleichs in Deutschland nicht mehr funktioniert. Dabei ist der Anteil gegenüber einer entsprechenden Umfrage von Oktober 2019 etwas zurückgegangen – von 57 auf 50 Prozent; hier könnten die massiven Hilfen in der Corona-Krise zu einem Rückgang der Skepsis geführt haben. Die größte Skepsis äußerten in der aktuellen Umfrage dabei mit Abstand die Wähler der AfD (83 Prozent); in der FDP gaben sich immerhin knapp 40 Prozent skeptisch, was den Ausgleich angeht. Im Osten liegt die Quote der Skeptischen deutlich höher als im bundesweiten Schnitt – bei 61 Prozent.

Bei der vorliegenden Umfrage von Forsa antworteten im Zeitraum vom 10. bis 17. September insgesamt 1033 Personen. Einige Fragen wurden dabei wortgleich zu einer Vorgängerbefragung vom Oktober 2019 gestellt, die ebenfalls vom Forum New Economy in Auftrag gegeben wurden.

Die Forsa-Umfrage des Forum New Economy wurde im Detail auch bei Der Spiegel analysiert: Hier

Die Ergebnisse der Studie wurden außerdem im Rahmen des siebten New Paradigm Workshops am 28. September vorgestellt. Die Präsentation finden Sie zu Beginn des folgenden Videos.

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