Ein Manifest für eine Neue Ökonomik

Steve Keen hat ein Buch über "The New Economics" geschrieben.

 

In seinem neuen Buch mit dem Titel The New Economics: A Manifesto knüpft Steve Keen an sein vorheriges Buch Debunking Economics an, in dem er die ‚Mainstream-Ökonomie‘ radikal kritisiert. Diesmal beschränkt er sich nicht auf die Kritik, sondern legt auch eine Alternative vor, wie die neue Ökonomik aussehen sollte. In Anlehnung an Thomas Kuhns Arbeit über Paradigmenwechsel kann sein Buch als Versuch verstanden werden, das alte ökonomische Paradigma von außen aufzubrechen, um den Weg für etwas Neues zu ebnen.

Keen zufolge sollte sich die Ökonomik nicht mehr auf Mikrofundierung stützen, sondern vielmehr system dynamics als Werkzeug nutzen. Er behauptet, dass die Ergebnisse hauptsächlich von der Struktur eines Systems bestimmt werden und nicht so sehr von individuellen Entscheidungen abhängen.

Keen konzentriert sich auf zwei Themen: die Rolle des Geldes und den Klimawandel. In seinem Kapitel Money Matters kritisiert Keen die neoklassische Ignoranz gegenüber Geld und Geldschöpfung und argumentiert, dass Geldschöpfung durch Banken ‚ex nihilo‘ sehr wohl makroökonomische Bedeutung hat.

Der Klimawandel ist ein weiteres zentrales Thema in seinem Buch. Er zeigt die Mängel prominenter Ökonomen auf, die versuchen, den Klimawandel in ihren Modellen zu berücksichtigen. Das prominenteste Beispiel dafür ist die Arbeit von William Nordhaus, der in einer Studie davon ausgeht, dass alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die nicht im Freien stattfinden, nicht vom Klimawandel beeinträchtigt würden, was eine gewagte, wenn nicht gar naive Annahme ist. Ein weiteres Beispiel ist, dass einige Modelle aktuelle Korrelationen zwischen Temperatur und Wirtschaftstätigkeit verwenden und diese in die Zukunft projizieren, wobei Kipp-punkte des Klimasystems völlig ignoriert werden.

In seiner Besprechung von Keens Buch kritisiert Dirk Bezemer dessen Verwendung der neoklassischen Wirtschaftswissenschaft als Strohmann. Indem sie als ein zu großes und monolithisches Feld dargestellt wird, ignoriert Keen, dass die „Mainstream“-Ökonomie die Verhaltensökonomie und andere Innovationen außerhalb von Keens Beschreibung der neoklassischen Ökonomie aufgenommen hat.

Bezemer kritisiert auch, dass Keen alternative Antworten der „neuen Ökonomie“ auf seine Kritik vernachlässigt, nämlich die agentenbasierte Modellierung und die Ökonophysik. Im Gegensatz zu Keens Vorschlag, sich nur auf die Makroebene zu konzentrieren, versucht die agentenbasierte Modellierung, der Komplexität der realen Welt gerecht zu werden, indem sie auf der Mikroebene versucht, die Heterogenität abzubilden. Die Ökonophysik beinhaltet eine thermodynamische Denkweise, wenn auch wiederum in mikroökonomischen und nicht makroökonomischen Modellen.

Dirk Bezemers vollständige Besprechung des Buches kann hier nachgelesen werden.

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