Der ökonomische Anti-Konsensus

In einem aktuellen Beitrag des Project Syndicate erläutern renommierte Ökonomen, warum ein wirtschaftlichspolitischer "Business as usual"-Ansatz keine Option mehr sein kann.

 

In einem vor kurzem veröffentlichen Project Syndicate „Big Picture“ teilen renommierte Wirtschaftswissenschaftler ihre Perspektiven auf den aktuellen Diskurs zum Selbstverständnis der ökonomischen Wissenschaft und der Notwendigkeit für eine Abkehr vom Status Quo.

Nach Ansicht von Kaushik Basu befinden sich die Weltwirtschaft und der Kapitalismus an einem Wendepunkt. Die Covid-19-Pandemie und die zunehmend sichtbaren Folgen des Klimawandels erforderten ein neues ökonomisches Denken. Dies sei auch beim 19. Weltkongress der International Economic Association (IEA) hervorgehoben worden. Um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, sei es zentral, sich noch stärker als bisher der teilweise implizit getroffenen Annahmen ökonomischer Modelle bewusst zu werden. Genau dies tun vier kürzlich erschienene Bücher, die James K. Galbraith in seinem Beitrag vorstellt. Er problematisiert darin den fehlenden Willen zur Selbstreflexion der Ökonomik. Alicia Sasser Modestino und Dani Rodrik machen auf die mangelnde Diversität in der Disziplin und die daraus resultierende verzerrende Auswirkung auf die Forschung aufmerksam.

Eric Posner widerspricht dem Artikel von Casey B. Mulligan and Tomas J. Philipson von der University of Chicago im Wall Street Journal, in dem sie ein vermeintliches Staatsversagen in den USA identifizieren. Nouriel Roubini beschreibt Bidens ökonomische Agenda als einen Bruch mit dem neoliberalen Paradigma der letzten Jahrzehnte unter Clinton, Bush und Obama. Dies zeige sich in einer expansiveren Fiskalpolitik, progressiveren Besteuerung, stärkeren Regulierung, protektionistischeren Handelspolitik und ambitionierten Industriepolitik. Anne Krueger warnt vor der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung in den Vereinigten Staaten, die moderne Errungenschaften, wie etwa die in Rekordzeit hergestellten Impfung gegen Covid-19, gefährdeten. Ihrer Meinung nach sollte dies bei der Entwicklung neuer ökonomische Konzepte mitgedacht werden.

Es scheinen sich die Stimmen zu mehren, die einen Paradigmenwechsel fordern. So veröffentlichte das G7-Beratergremium „Economic Resilience Panel“ neben seinen Politikempfehlungen zum Anlass des G7-Gipfels im Juni 2021 ein 1,5-seitiges Dokument mit politischen Leitlinien, den „Cornwall Consensus“. Darin werden die G7 u.a. dazu aufgefordert, das Prinzip der Solidarität zu stärken, das Gemeinwohl zu fördern und entschiedener auf Wirtschaftskrisen, Zwang und Marktverzerrungen zu antworten. Man könnte darin, wie Gillian Tett in der Financial Times ausführt, nicht nur eine temporäre Reaktion auf die Pandemie, sondern ein Signal für eine tatsächliche ideologische Trendumkehr sehen.

Den gesamten Artikel zum Nachlesen – hier.

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