Quick & New: Der Staat als letzte Versicherungsinstanz

Emmanuel Saez und Gabriel Zucman fordern während der Corona-Krise ausgeweitete staatliche Maßnahmen. Sie argumentieren, dass die Regierung über einen festgelegten Zeitraum als "Payer of last resort" handeln muss, um Entlassungswellen zu verhindern und laufende Kosten für Unternehmen zu finanzieren.

Credit: Gerd Altmann @ Pixabay
 

Das Coronavirus entwickelt sich zu einer Wirtschaftskrise in der Realwirtschaft und hat das Potenzial, eine Vielzahl von Unternehmen in die Insolvenz zu treiben. Um diesen Trend zu stoppen, so argumentieren Saez und Zucman (Universität Berkeley, Kalifornien) sollten die Regierungen in Ländern, die von möglichen Lockdown-Situationen betroffen sind, klarstellen, dass Unternehmen unabhängig von den Kosten aufgefangen werden.

Saez und Zucman fordern, dass die Regierungen Unternehmen bei der Überwinterung mit einer Art Sozialversicherungssystem unterstützen sollten, um hohe Entlassungswellen von Mitarbeitern zu verhindern. Zusätzlich zur Unterstützung der Unternehmen befürworten sie, dass sich Selbständige auch als untätige Arbeiter melden könnten und somit auch für die spezielle Arbeitslosenversicherung in Frage kämen. Die Progressivität eines Versicherungssystems sei weitaus wünschenswerter als Modelle eines universelle Grundeinkommens, fügen sie hinzu.

Das Comeback von Hyman P. Minsky?

Mehrere Länder haben Pläne zur Bereitstellung ausreichender Liquidität, beispielsweise in Form von zinslosen Darlehen, installiert. Diese Maßnahmen könnten langfristig jedoch zu einer massiven Schuldenlast der Unternehmen führen. Kredite werden nicht die Verluste abdecken können, die während eines Lockdowns erlitten werden.

Saez und Zucman sprechen sich auch gegen einen Aufschub der Steuerzahlungen in größerem Umfang aus, da dies auch Einzelpersonen und Unternehmen zugute käme, die nicht direkt betroffen seien. Dasselbe gilt für Modelle eines universelles Grundeinkommen oder Helikopter-Geld.

Die Ökonomen schätzen, dass ein von ihnen vorgesehenes Sozialversicherungsprogramm in den USA 3,75 Prozent des BIP kosten würde, das durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung finanziert werden sollte. Mit dem Modell des „Payer of last resort“ knüpfen Saez und Zucman an die Arbeit von Hyman P. Minsky an, der sich bereits in den 1970er Jahren für einen „Investor of last resort“ und einen „employer of last resort“ eingesetzt hatte. Heute gilt Minsky als Gründungsvater der Modern Monetary Theory, die seit geraumer Zeit für öffentliche Beschäftigungs- und Versicherungsprogramme in großem Umfang plädiert.

Der ganze Artikel von Saez and Zucman: Keeping business alive – the government will pay

Von Thore Beckmann

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