Der Koalitionsvertrag – Zeit für etwas Neues? +++ New-Economy-Ticker +++

Der Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung steht. Auch wenn die Resonanz gemischt ist, scheint der Grundstein für etwas Neues gelegt. Ein Überblick über die bisherigen Einschätzungen.

 

26.11.2021

Der Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung ist veröffentlicht. Beginnt damit etwas ganz Neues, womöglich sogar ein neues wirtschaftliches Paradigma? Eine Politik, die den Wunsch nach Wohlstand umsetzt, und sich dabei gleichzeitig der Klimarettung verpflichtet, die finanzpolitische Spielräume schafft, wo zuvor keine waren? Einen Auszug der unterschiedlichen Meinungen zum Neuheitsgrad der Vorschläge der neuen Regierung – und dem Potential für einen Paradigmenwechsel – gibt es hier.

Bei der Financial Times ist man sich sicher – der Koalitionsvertrag der Ampelregierung markiert einen bedeutenden politischen Richtungswechsel. Als zentrales Aufbruchssignal zur Ära Merkel wertet das Editorial Board die geplante erleichterte Kreditaufnahme für Investitionen. Dazu gehören Sonderfonds außerhalb des Haupthaushalts, mehr Mittel für die KfW und eine Neubewertung der technischen Berechnungen der Fiskalregeln. Im Koalitionsvertrag sieht man das Versprechen auf Erneuerung, mit der Chance, dass nebst der deutschen Politik auch die Wirtschaft des Landes und Europa profitieren könnten.

Auch das Center for European Reform hält die im Koalitionsvertrag enthaltenen Investitionspläne für mutig und erwartet mehr fiskalischen Spielraum und Investitionen als unter der Vorgängerregierung. In der Umwidmung von Pandemie-Notfallmitteln sieht man Potential für einen europäischen Dominoeffekt, der auch andere Länder motivieren könnte, ein finanzielles Polster aus Notlage-Mittel für fiskalisch striktere Zeiten anzulegen. Auch traut das CER Deutschland zu, unter der neuen Regierung eine führende Rolle beim Klimaschutz einzunehmen.

Etwas verhaltener äußerte sich jüngst der Columbia-Professor Adam Tooze. Zwar sei es für eine abschließende Bewertung noch zu früh, doch Lindner als Finanzminister sei eine Bedrohung für alle progressiven Ambitionen der Regierung. Allerdings sei die deutsche Wirtschaft längst nicht mehr ihr altes konservatives Selbst, und die Regierung bereit, sich der Herausforderung des Klimawandels anzunehmen.

23.11.2021

Wie Konzerne dem Gemeinwohl verpflichtet werden können. Eine neue Studie diskutiert, wie die Unternehmensphilosophie deutscher Konzerne geändert werden kann: weg von Aktionärsinteressen, hin zu einer effektiveren Gemeinwohlbindung.

Ein großes ökonomisches Rätsel der letzten Jahre ist der Rückgang privater Investitionen. Und das, obwohl es angesichts des Klimawandels an Investitionsbedarfen nicht mangelt. Dennoch halten sich auch DAX-Unternehmen mit Investitionen zurück und nutzen die Gewinne stattdessen für Dividendenausschüttungen an Aktionäre oder der Erhöhung ihrer Barbestände, wie eine neue Studie von Finanzwende Recherche und Oxfam Deutschland zeigt.

Die Autoren diskutieren die Möglichkeit, die Unternehmen über Reformen des Gesellschaftsrechts wieder stärker an das Gemeinwohl zu binden. Dafür solle im Sinne des Grundsatzes „Eigentum verpflichtet“ eine Neudefinition des Unternehmenszwecks auch ökologische und soziale Aspekte einschließen. Zudem könne die Investitionslücke über eine Begrenzung der Dividendenausschüttungen und eine Investitionspflicht verkleinert werden. All diese Instrumente könnten dazu beitragen, kurzfristig angelegte Profitmaximierung durch eine Gemeinwohlorientierung abzulösen.

Eine Kurzfassung der Studie finden Sie hier.

26.10.2021

Die OECD hat „Government Economists for New Economic Systems“ (GENESYS) gegründet, ein Netzwerk für Regierungen, um neue wirtschaftspolitische Ansätze zur Lösung systemischer Probleme zu fördern.

Das OECD-Projekt New Approaches to Economic Challenges (NAEC) hat mit Government Economists for New Economic Systems (GENESYS) eine Plattform ins Leben gerufen, die es Ökonomen im Staatsdienst und politischen Entscheidungsträgern erleichtern soll, über Ansätze für neues ökonomisches Denken zu diskutieren. Insbesondere soll die Plattform einen Diskurs über „systemische strukturelle Probleme, die die Zukunft bedrohen“ ermöglichen, um so politische Alternativen zu erproben, die besagte Probleme lösen könnten. Das Ziel ist es, neue analytische Fähigkeiten innerhalb von Regierungen zu fördern. GENESYS ist als ein informelles Netzwerk von Delegierten aus einzelnen Ländern konzipiert, vor allem, aber nicht nur ausschließlich, aus Finanzministerien und Zentralbanken.

Verfolgen Sie den Webcast zur Eröffnung der Plattform mit Paschal Donohoe, Präsident der Eurogruppe, und anderen am 4. November, 14:00-16:00 Uhr GMT. Forum Direktor Thomas Fricke wird ebenfalls anwesend sein und an einer Diskussionsrunde über neues wirtschaftliches Denken und Handeln teilnehmen.

15.10.2021

Vom Washington zum Cornwall-Konsens? In einem kürzlich erschienen Beitrag für Project Syndicate argumentiert Mariana Mazzucato, dass die Welt an der Schwelle zu einem längst überfälligen Paradigmenwechsel steht. Eine tiefgreifende ökonomische Veränderung fordert auch das G7 Economic Resilience Panel in einem kürzlich veröffentlichten Bericht.

Die Stimmen, die einen neuen wirtschaftlichen Konsens fordern, werden immer lauter. In einem kürzlich erschienenen Artikel für Project Syndicate argumentiert Mariana Mazzucato, dass die Welt tatsächlich an der Schwelle zu einem längst überfälligen Paradigmenwechsels steht. Sie plädiert für eine Wiederbelebung der Rolle des Staates, da globale Ziele wie eine dekarbonisierte Wirtschaft und die weltweite Verteilung von Impfstoffen nur durch eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben erreicht werden können.

Nach Ansicht der italienischen Ökonomin hat die Covid-19-Krise gezeigt, dass das Paradigma, das während der vergangenen fünf Jahrzehnte für eine Politik der freien Marktwirtschaft eintrat – der Washington Consensus mit seinem Mantra der Deregulierung, Privatisierung und Handelsliberalisierung – die internationale Gemeinschaft zum Scheitern verurteilt hat. Mazzucato argumentiert, dass wir in eine Ära eintreten, in der die irreversiblen Schäden des Klimawandels über nichts Geringeres als das Überleben der menschlichen Spezies entscheiden werden. Folglich sollten sich die politischen Entscheidungsträger darauf vorbereiten, das Ruder herumzureißen. Im Vorfeld des bevorstehenden G20-Gipfels am 30. und 31. Oktober fordert sie die politischen Entscheidungsträger auf, eine Reihe von politischen Empfehlungen unter dem Oberbegriff „Cornwall Consensus“ zu berücksichtigen. Der Begriff wurde vom G7-Gremium für wirtschaftliche Resilienz, in dem Mazzucato Italien vertritt, im Vorfeld des G7-Gipfels im Juni dieses Jahres geprägt. Der jüngste Bericht dieser Beratergruppe schlägt einen neuen internationalen Sozialvertrag vor. Zu den konkreten politischen Vorschlägen gehören eine Reform der Rechte an geistigem Eigentum, eine Erhöhung der staatlichen Investitionen auf 2 % des BIP pro Jahr und ein neues Forschungsinstitut, das nach dem Vorbild der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) Lösungen im Bereich der Klimatechnologie entwickeln soll. Durch die Verabschiedung einer neuartigen Wirtschaftsagenda, die durch aufgabenorientierte Institutionen und Maßnahmen umgesetzt werden soll, können die führenden Politiker der Welt verhindern, dass die Fehler der Vergangenheit wiederholt werden.

 

12.10.2021 

Wenn der Nobelpreis den Paradigmenwechsel spiegelt: David Card hat mit seinen Experimenten Anfang der 1990er-Jahre den marktliberalen Konsens herausgefordert, wonach Mindestlöhne immer negativ wirken – eine Erkenntnis, die dazu beigetragen hat, dass es heute fast überall Untergrenzen gibt.

Der diesjährige Alfred-Nobel-Gedächtnispreis wurde an drei US-Ökonomen verliehen, die mit ihrer Forschung entscheidend zur Weiterentwicklung „natürlicher Experimente“ beigetragen haben. Damit geht der Preis an ein Trio, das mit seiner Arbeit an realen Experimenten gängige ökonomische Glaubenssätze in Frage gestellt hat.

Der Ökonomie-Nobelpreis ist der einzige, der nicht auf Alfred Nobel zurück geht. Er wird von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Das Vergabe-Komitee begründete seine Entscheidung damit, dass die drei Wissenschaftler „die empirische Forschung revolutioniert haben“, indem sie natürliche Experimente verwendeten – Situationen im wirklichen Leben, in denen zufällige Ereignisse oder politische Entscheidungen ähnliche Bedingungen wie in einer klinischen Studie schaffen.

So belegten Preisträger David Card und der 2019 verstorbenen Alan Krueger, dass eine Anhebung der Mindestlöhne nicht zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Beschäftigungslage führt, indem sie zwei Gruppen von Beschäftigten in der Niedriglohnbranche Fast-Food-Gaststätten verglichen. Eine Erkenntnis mit revolutionärem Charakter, brach sie doch mit dem bis dato herrschenden Konsens, dass höhere Mindestlöhne zu mehr Arbeitslosigkeit führen. Auch einen anderen Konsens unter Ökonomen erschütterte Card einige Jahre später mit einer ähnlichen Studie, in der er zeigte, dass Einwanderung nicht zu Lohneinbußen für einheimische Arbeitnehmer führen muss.

Joshua Angrist und Guido Imbens erhalten den Preis für ihre methodologischen Beiträge zur Frage, welche Schlussfolgerungen über Kausalitäten man aus natürlichen Experimenten ziehen kann. Methodisch haben sie die Ökonomie bei der Frage von Korrelation und Kausalität vorangebracht. Die diesjährige Vergabe ist eine Würdigung derjenigen Wissenschaftler, die mit ihrer Forschung eine Abkehr der alteingesessenen, bisher geglaubten ökonomischen Lehrsätze vertreten.

Eine detailreiche Analyse der diesjährigen Preisvergabe bietet auch dieser Handelsblatt Artikel.

Ebenfalls lesenswert zum Thema, dieser Beitrag aus der Financial Times.

 

11.10.2021 

Es braucht eine neue Generation von Ökonomen: In einem kürzlich erschienenen FT-Artikel argumentiert Diane Coyle, dass die Ökonomie aufgrund von zwei entscheidenden Mängeln nicht in der Lage ist, die größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.

In einem kürzlich in der Financial Times veröffentlichten Kommentar fordert die Cambridge-Professorin Diane Coyle einen Wandel in den Wirtschaftswissenschaften – und bei der nächsten Generation von Wirtschaftswissenschaftlern. Coyle begründet dies damit, dass die Wirtschaftswissenschaft ein Beruf sei, der mit seiner einflussreichen Stimme in Debatten über Gesellschaft und Politik eine besondere Verantwortung mit sich bringe. Durch die Möglichkeit zur Politikgestaltung und zur Beratung von Regierungen und Unternehmen haben wirtschaftliche Forschung und Ideen Einfluss auf die Art der Gesellschaft, in der wir leben. Derzeit, so Coyle, versäumt es der Berufsstand, seine Macht so einzusetzen, dass die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich bewältigt werden können.

Dafür macht sie zwei Mängel verantwortlich. Einerseits, so Coyle, fehle es der Ökonomie an Ethik. Coyle zufolge wird durch den Anspruch mittels strenger statistischer Verfahren und datenbasierter Analyse so objektiv wie möglich zu sein, die Illusion geschaffen, dass Wirtschaftswissenschaftler sich von der Gesellschaft, die sie analysieren, abgrenzen können – und Werturteile an diejenigen delegieren, die sie beraten. Vielmehr jedoch baue jede wirtschaftliche Analyse auf ein implizites moralisches Rahmenwerk. Doch die Wohlfahrtsökonomie – jener Zweig, der sich mit moralischen Fragen befasst – sei in Forschung und Lehre immer noch unterrepräsentiert.

Das zweite Problem, so Coyle, ist das Versäumnis der Ökonomen, ihre Annahmen und Modelle entsprechend der heutigen wirtschaftspolitischen Realität zu aktualisieren. Als Beispiele nennt Coyle die digitale Technologie und ihre Unsichtbarkeit in den Wirtschaftsstatistiken sowie die Vorstellung, dass Menschen individuelle Profitmaximierer seien. Dies sei im Zeitalter sozialer Medien, die von Werbeeinnahmen angetrieben werden, schlicht inkorrekt. Wo immer ein Wandel der Perspektiven und Ansätze stattfände, schaffe er es nicht, den Mainstream zu durchdringen und die Lehrbücher zu erreichen.

Coyle zufolge liege es daher an der nächsten Generation von Wirtschaftswissenschaftlern, dafür zu sorgen, dass ein Wandel stattfinde, damit die Profession rechtmäßig ihren Einfluss aufrechterhalten könne, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.

Den vollständigen Artikel gibt es hier.

07.10.2021

Die Spielarten der Ungleichheit: In einem kürzlich erschienenen Beitrag im Makronom erläutert Till van Treeck, wie die unterschiedlichen Ausprägungen von Ungleichheit mit verschiedenen Wachstumsmodellen zusammenhängen.

Zusammen mit Jan Behringer hat Till van Treeck in einer bald erscheinenden Publikation die Ungleichheit in liberalen Marktwirtschaften mit einem schlankeren Sozialstaat und einer ausgeprägten Shareholder Value-Orientierung (z.B. USA, UK) und in koordinierten Marktwirtschaften mit einer stärkeren sozialen Absicherung (z.B. Deutschland, Skandinavien) verglichen. Dabei haben die Autoren unterschiedliche Trends identifiziert. In beiden Kapitalismustypen ist die ökonomische Ungleichheit gemessen am Gini-Koeffizienten seit den 1980er Jahren stark angestiegen. Allerdings sank die Lohnquote in koordinierten Marktwirtschaften trotz der traditionell stärker ausgeprägten Sozialpartnerschaft zwischen Unternehmensverbänden und Gewerkschaften deutlicher als in den liberalen Marktwirtschaften. Dies kann einerseits auf die regelrechte Explosion der Spitzeneinkommen in liberalen Marktwirtschaften und die Stagnation der eher „exportgetriebenen“ Volkswirtschaften zurückgeführt werden. Zum anderen sind in koordinierten Marktwirtschaften große Teile der Unternehmensgewinne einbehalten worden, so van Treeck. In liberalen Ökonomien habe der rasante Anstieg von Managergehältern höhere – oftmals schuldenfinanzierte – Ausgaben bei den unteren und mittleren Einkommensgruppen zur Aufrechterhaltung des relativen Lebensstandards veranlasst, weshalb das Wachstumsmodell dieser Länder als „schuldengetrieben“ bezeichnet werden kann.

Till van Treeck plädiert dafür, beim Thema Ungleichheit neben dem Gini-Koeffizienten weitere Indikatoren zu betrachten und hebt die Auseinanderentwicklung zwischen Haushaltseinkommen und Unternehmensgewinnen in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland hervor.

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

28.09.2021

Der Mythos des grünen Kapitalismus: In einem kürzlich erschienenen Kommentar bei Project Syndicate argumentiert Katharina Pistor, dass die Unterstützung des ‚grünen‘ Kapitalismus durch den Privatsektor ein Mittel ist, um die Übernahme echter Verantwortung für klimafeindliche Handlungen zu umgehen.

Laut der renommierten Columbia-Professorin Katharina Pistor ermöglichen es „grüne“ Hedging-Strategien und Co2-Kompensationsprogramme Unternehmen, sich der Verantwortung für von ihnen verursachte Schäden an Umwelt und Gesellschaft zu entziehen. In ihrem kürzlich veröffentlichten Kommentar für Project Syndicate argumentiert Pistor, dass das kapitalistische System und die Gesetze, auf denen es aufbaut, die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten zum Vorteil großer Unternehmen ermöglichen.

Nicht die Märkte, schreibt Pistor, sondern die Gesetze ermöglichen es Konzernen und Unternehmen, Umweltverpflichtungen auszulagern und ihr Kapital zu schützen, selbst wenn sie sich umweltfeindlich verhalten. Der neue ‚grüne‘ Konsens, der sich auf die Offenlegung einzelner Finanzdaten ob ihrer Nachhaltigkeit konzentriert, verspricht einen marktfreundlichen Wandel, ohne diesen auch einhalten zu müssen. Wäre der nachhaltige Wandel der Wirtschaft wirklich das Ziel, so Pistor, müssten Regierungen umgehend sämtliche Subventionen für Aktivitäten des ‚braunen Kapitalismus‘ abschaffen. Zudem sei ein Moratorium nötig, welches den Schutz von Unternehmen und Investoren vor der Übernahme von Verantwortung für von ihnen verursachte Umweltschäden, aufhebt.

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

24.09.2021

Europa sollte nicht zu den fiskalischen Regeln vor der Pandemie zurückkehren: In einem kürzlich erschienenen Financial Times-Kommentar argumentiert der Nobelpreisträger Joe Stiglitz, dass eine neue Runde der Austeritätspolitik für Europa katastrophal wäre.

Der Columbia-Professor und Nobelpreisträger Joe Stiglitz hat die europäischen Staats- und Regierungschefs dringend aufgefordert, nicht zu den strengen Haushaltsregeln für Defizite und Ausgaben zurückzukehren, die während der Corona-Virus-Pandemie gelockert wurden. In einem kürzlich erschienenen Kommentar in der Financial Times argumentiert Stiglitz, dass eine Abkehr von den alten fiskalischen Regeln dann nachhaltig sein kann, wenn sie durch eine ehrgeizige Erhöhung der Investitionen begleitet wird. Die Pandemie habe bewiesen, dass Europa besser gegen die Krise gewappnet gewesen wäre, hätten die Mitgliedsstaaten mehr in Gesundheit und Versorgungsketten investiert, anstatt sich an strenge und willkürliche Sparquoten zu halten.

Joe Stiglitz warnt, dass eine Rückkehr zu den alten Regeln dem sozialen Zusammenhalt schaden würde. Vielmehr sollte das System durch nachhaltige Investitionen zugunsten von jungen Menschen und Geringverdienern neu ausbalanciert werden. Letztlich sei ein „flexiblerer und durchdachterer Ansatz für die makroökonomische und fiskalische Steuerung“ erforderlich.

Den ganzen Artikel gibt es hier.

20.08.2021

Values – Building a Better World for All – In seinem neuen Buch argumentiert der ehemalige Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, dass Marktfundamentalismus zu einem Verfall der Grundwerte der Gesellschaft führt. Das Buch ist Thema einer bevorstehenden OECD NAEC-Konferenz.

In seinem neuen Buch Value(s) untersucht der ehemalige Gouverneur der Bank of England und jetzige UN-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und Finanzen, Mark Carney, die Unzulänglichkeiten und Herausforderungen dessen, was er als unreflektierten Glauben an die Macht und Kompetenz der freien Märkte bezeichnet. Dies habe in den vergangenen Jahrzehnten zu einem zunehmenden Verfall und einer Unterbewertung öffentlicher Güter und gesellschaftlicher Grundwerte geführt – und letztlich die drei größten Krisen dieses Jahrhunderts befeuert: die globale Finanzkrise, die Klimakrise und die Covid-Krise. Alle drei, so Carney, wurden durch das Versagen der Märkte – und all jener, die unerschütterlich an ihre Vollkommenheit glaubten – verursacht oder verschlimmert. So würde die Sicherstellung des kollektiven zukünftigen Wohlergehens der Menschheit konstant vernachlässigt.

Das Kernthema des Buches – die Spannung zwischen marktbestimmten Werten und von Menschen geleiteten sozialen Werten – bildet die Grundlage für das, was Carney als Lösung für die gegenwärtigen Missverhältnisse ansieht: den „missionsorientierten Kapitalismus„. Anstatt sich einer Wirtschaft zu verschreiben, in der „der Preis von allem zum Wert von allem wird“, sollten Märkte und Unternehmen sich der Lösung gesellschaftlicher Probleme, der Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und die Erweiterung unseres Horizonts verschreiben. Eine bessere, eine neue Art von Wirtschaft, so seine Schlussfolgerung, muss die gesellschaftliche Bedeutung von Werten und Überzeugungen anerkennen und so pflegen, dass die drei Schlüsselkomponenten einer guten Gesellschaft genährt werden: Gerechtigkeit zwischen den Generationen, bei der Verteilung von Einkommen und Lebenschancen.

Das Buch, seine Ideen und Inhalte werden auf einer kommenden OECD NAEC-Konferenz diskutiert.

Online-Konferenz: Value(s): Eine bessere Welt für alle schaffen
Wann? Mittwoch, 01. September 2021: 14:00-3:00 Uhr
Wo? OECD Conference Center Paris und per Livestream: hier

 

04.08.2021

Essaypreis „Demokratie und Wirtschaft“ von Hertie-Stiftung und WirtschaftsWoche. Denkerinnen und Denker sind dazu eingeladen, das Zusammenspiel von Demokratie und Wirtschaft, von Politik und Ökonomie neu zu betrachten. Einsendungen werden noch bis Dienstag, 10. August 2021, akzeptiert.

Gemeinsam mit der Wirtschaftswoche lädt die Hertie-Stiftung interessierte Denker*innen aus Medien, Universitäten, Think-Tanks, Gewerkschaften, Unternehmen und Stiftungen dazu ein, sich für den Essaypreis „Demokratie und Wirtschaft“ zu bewerben. Die Corona Pandemie entpuppt sich zunehmend als Stresstest für die komplizierte Beziehung zwischen Demokratie und Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage danach, wie viel Demokratie der Kapitalismus braucht – und wie viel Kapitalismus die Demokratie. Eingereichte Beiträge sollen das Zusammenspiel von Demokratie und Wirtschaft, von Politik und Ökonomie neu betrachten. Einsendeschluss ist der 10. August, 2021.

Der Essaypreis wird sowohl für bereits veröffentlichte wie auch unveröffentlichte Arbeiten verliehen. Veröffentlichte Arbeiten werden mit bis zu 3.000 € Preisgeld prämiert, unveröffentlichte Arbeiten mit jeweils 7.000 € (erster Platz), 3.000 € (zweiter Platz) und 2.000 €  (dritter Platz).

Die Gewinnertexte werden in der WirtschaftsWoche veröffentlicht.

Alle weiteren Informationen sowie das Bewerbungsformular gibt es hier.

12.07.2021

Die neue Ausgabe des Wirtschaftsdienstes mit fünf ausgewählten Beiträgen aus unserem VIII New Paradigm Workshop. Die Artikel umfassen eine Reihe von Themen rund um Fiskalpolitik, Populismus, Ungleichheit und Verteilung, Klima und mehr.

Wie nach unseren bisherigen Workshops üblich, wurden auch diesmal einige ausgewählte Beiträge aus unserem VIII. New Paradigm Workshop – „Zukunft des deutschen Modells II: Perspektiven für die nächste Regierung“ – zusammengefasst und erscheinen in der neuen Ausgabe des Zeitgespräch Wirtschaftsdienst < 101. Jahrgang – Juli 2021 – Heft 7 – Wirtschaftsdienst >.

Die ausgewählten Beiträge können über die untenstehenden Links heruntergeladen werden:

Die Definition einer zukunftsfähigen Finanzpolitik

Max Krahé, Insitut für Sozioökonomie der Universität Duisburg-Essen; Denkwerkstatt „Dezernat Zukunft“

Philippa Sigl-Glöckner, Denkwerkstatt „Dezernat Zukunft“

Wie kann Wirtschaftspolitik zur Eindämmung des Populismus beitragen?

Robert Gold, Institut für Weltwirtschaft in Kiel

Krise und Reformbedarf der BaFin

Martin Hellwig, Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn

Gerhard Schick, Verein Bürgerbewegung Finanzwende

Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen – Trends, Treiber, Politikmaßnahmen

Markus M. Grabka, DIW Berlin/SOEP

Klimaschutz und der moderne Staat

Tom Krebs, Universität Mannheim

18.06.2021

Die Rückkehr der Hyperinflation? Im Mai erreichte die Inflationsrate in Deutschland mit 2,5 Prozent den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Warum trotzdem keine Hyperinflation droht, erklärt Wirtschaftshistoriker Carl-Ludwig Holtfrerich in einem Interview.

Es wird (mal wieder) viel über Inflation geredet. Als Referenzpunkt dient dabei eines der liebsten Schreckensgespenster der Deutschen: die Hyperinflation. In einem Interview erklärt Carl-Ludwig Holtfrerich, wie die Inflationsangst schon von Reichskanzler Brüning politisch instrumentalisiert wurde, um einen harten Sparkurs durchzusetzen. Zudem sei das historische Gedächtnis an die zwei Krisen der Weimarer Republik getrübt, indem Hyperinflation und die Große Depression vermischt würden.

Statt der Inflation bereitet dem Wirtschaftshistoriker eher der Umgang mit den deutschen Staatsschulden Sorge. Unter dem Verweis auf einen soliden Staatshaushalt reiche das Geld nicht für dringend notwendige öffentliche Investitionen. Das sei insbesondere in einer Welt mit rückgängigen privaten Investitionen bei einem gleichzeitigen Anstieg der weltweiten Ersparnis kontraproduktiv für die Vermögensbildung. In dieser Entwicklung liegt laut Holtfrerich auch der Grund für das historisch niedrige Zinsumfeld – und nicht in der Nullzinspolitik der EZB.

Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.

03.06.2021

Wenn es eine Sache gibt, für die das deutsche Wirtschaftsmodell steht, dann ist das die Soziale Marktwirtschaft. Doch wofür steht dieser Begriff im Jahr 2021? Um diese Frage dreht sich ein neuer Dokumentarfilm.

Die Soziale Marktwirtschaft ist seit Jahrzehnten der Konsensbegriff der deutschen Wirtschaftspolitik. Kaum eine Partei oder Interessensgruppe kommt ohne eine Huldigung aus. Doch offenbar sieht das die Bevölkerung anders: Verschiedenen Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Deutschen schon seit einiger Zeit der Meinung, dass sie nicht vom aktuellen Wirtschaftssystem profitiert und dass das aktuelle Wirtschaftssystem einer (grundlegenden) Verbesserung bedürfe .

In der Doku Germanomics geht es um die Suche nach dem Warum. Durch Gespräche mit 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fasst der Dokumentarfilm den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft in konkrete Indikatoren und beleuchtet den wirtschaftspolitischen Status quo in Deutschland im Superwahljahr 2021. Auch einige Projekte des Forums sind in den Film mit eingeflossen. Darunter eine Studie zur Ungleichheit von Charlotte Bartels und Carsten Schröder (DIW) oder ein Interview mit Robert Gold zum Thema Populismus .

28.05.2021

Das Forum in den Medien – Noch verfehlt die Debatte rund um den Bundestagswahlkampf die wirklich wichtigen Themen. Die Beiträge beim VIII New Paradigm Workshop zeigen, welche essentiellen Fragen wir uns stellen sollten, so der Spiegel.

Im Bundestagswahlkampf sollte es um mehr gehen als Kurzstreckenflüge und Gendersternchen, argumentiert Thomas Fricke im Spiegel. Populismus, Klimawandel und das zunehmende Auseinanderdriften von Gewinnern und Verlierern der Globalisierung – die kommende Regierung muss sich großen Zukunftsfragen stellen. Die Beiträge beim achten New Paradigm Workshop des Forum New Economy vergangene Woche geben einen Eindruck davon, was die wirklich wichtigen Themen der Zukunft sind, so der Tenor der Kolumne.

Dazu gehört allen voran die Frage, wie wirksam gegen die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland vorgegangen werden kann, oder der von vielen Menschen verspürte Kontrollverlust eingedämmt werden kann, der laut Populismusforscher Robert Gold merklich populistische Auswüchse mitbefeuert. Auch die Klimafrage drängt sich auf. Tom Krebs von der Uni Mannheim schätzt, dass die Bundesregierung in den nächsten 10 Jahren 100 Milliarden Euro investieren müsste, um eine Umstellung der Industrie auf grünen Wasserstoff zu ermöglichen. Und wie soll all das finanziert werden, wenn an der Schuldenbremse keinesfalls gerüttelt werden darf? Nicht zuletzt steht die Frage im Raum, inwieweit Joe Biden in den USA gerade vormacht, wie zukunftsfähige Politik aussieht – und wie sich das hierzulande umsetzen ließe. All das und mehr wurde während der Konferenz diskutiert – und zeigt, was wir im Wahlkampf wirklich besprechen sollten.

Die vollständige Kolumne finden Sie hier.

Eine Übersicht über die Beiträge beim VIII New Paradigm Workshop gibt es hier.

26.05.2021

Die SZ schreibt: Deutschland braucht eine Investitionsoffensive. Sie beruft sich dabei auf vom Forum in Auftrag gegebene Studien, die eine aktivere Rolle des Staates fordern – höhere Staatsausgaben inklusive.

„Investitionen braucht das Land“, schreiben Cerstin Gammelin und Alexander Hagelüken in ihrem jüngsten Beitrag für die Süddeutsche Zeitung, in dem sie sich auf eine Reihe Studien stützen, die vom Forum anlässlich des VIII New Paradigm Workshops in Auftrag gegeben wurden. Rund ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts, etwa 460 Milliarden Euro, müsste der Staat investieren, um vergangene Versäumnisse aufzuholen und einen zukunftsfähigen Investitionsstand zu erreichen – so legen es Zahlen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) nahe. Und wie soll das finanziert werden? Laut Philippa Sigl-Glöckner vom „Dezernat Zukunft“ muss dafür die Ausgabenpolitik der Regierung reformiert werden – weg von einer minimalen Schuldenquote hin zu einer Staatspolitik, die sich für weniger Arbeitslose, bessere Löhne und einen Abbau unfreiwilliger Teilzeit einsetzt.

Ebenfalls im Fokus der Debatte: Der Ruf nach höheren Ausgaben für klimafreundliche Technologien wie Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien. Laut einer aktuellen Studie von Tom Krebs von der Uni Mannheim müsste die Bundesregierung statt der geplanten 12 Milliarden Euro bis zu 100 Milliarden Euro in eine solche Klimastrategie investieren.

Nicht nur in Bezug auf zukünftige Investitionen, sondern auch in der Gegenwart ist der Staat gefordert: Stefan Bach und Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) argumentieren für einen Ausbau von Tarifverträgen und eine Steuerreform, um gezielt die Einkommen jener zu fördern, die wenig haben. Insbesondere der Anteil Deutscher mit Eigentumswohnung oder Eigenheim sei im europäischen Vergleich viel zu gering.

Alle im Artikel zitierten Studien wurden im Auftrag des Forum New Economy anlässlich des vom 25.-27. Mai stattfindenden achten New Paradigm Workshops zur Zukunft des deutschen Modells entwickelt.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

05.05.2021

Nobelpreisträger und ehemalige Staats- und Regierungschefs unterzeichnen einen Aufruf, der Biden ermutigen soll, einen Verzicht auf Covid-19-bezogene Patente zu unterstützen.

Joe Stiglitz, Gordon Brown und viele andere schließen sich zusammen und fordern US-Präsident Joe Biden auf, eine vorübergehende Ausnahmeregelung von den WTO-Regeln für geistiges Eigentum während der Covid-19-Pandemie zu erwägen. Die Hoffnung, die durch die Einführung von Impfstoffen in wohlhabenderen Ländern geweckt wurde, erreicht bei weitem nicht die Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Der Zugang zu Impfstoffen in diesen Ländern muss dringend ausgeweitet werden, wenn das ultimative Ziel darin besteht, so viele Leben wie möglich zu retten und eine globale Herdenimmunität zu erreichen – ein offener Austausch von Know-how und Technologie ist daher ein moralisches Gebot.

Dies ist die Kernbotschaft des offenen Aufrufs, der auf Project Syndicate veröffentlicht und von vielen Nobelpreisträgern und ehemaligen Staats- und Regierungschefs unterzeichnet wurde: „Wenn uns das vergangene Jahr etwas gelehrt hat, dann, dass die Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit global sind und dass strategische staatliche Investitionen, Maßnahmen, Kooperation und Solidarität unerlässlich sind. Der Markt kann diesen Herausforderungen nicht adäquat begegnen, ebenso wenig wie engstirniger Nationalismus.“

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

27.04.2021

Online Konferenz: A systemic Recovery
Wann? Mittwoch, 28. April 2021: 15:00-18:00 Uhr
Wo? Online Konferenz: Schauen Sie hier den Livestream.

In der Sitzung um 15:00 Uhr findet eine hochrangige Podiumsdiskussion unter dem Vorsitz von Rana Foroohar und Martin Sandbu von der Financial Times statt, in der es um die Vermeidung einer Post-COVID-Stagnation und negativer Auswirkungen auf Schwellen- und Entwicklungsländer geht sowie um die Frage, wie wir unser Wirtschafts- und Finanzsystem umgestalten können, um ökologische und soziale Ziele zu erreichen. Zu den Referenten gehören der UN-Sonderbeauftragte für Klimapolitik und Finanzen, Mark Carney, die Chefvolkswirtin des IWF, Gita Gopinath, die UCL-Professorin Mariana Mazzucato, der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff und der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman.

Die vollständige Agenda ist hier verfügbar.

26.04.2021
Das französische Wochenmagazin L’Obs promotet Joe Biden als den neuen Roosevelt und analysiert die neuen Ausgabenpläne und Steuerregeln des US-Präsidenten im Hinblick auf die radikale Abkehr von der vorherrschenden Ideologie der letzten vier Jahrzehnte.

Ist Joe Biden für F. D. Roosevelt das, was seine neuen Ausgaben- und Steuerpläne für den New Deal sind? Dieses Bild kristallisiert sich mehr und mehr heraus. In unserer jüngsten Artikelserie, in der wir zuerst den ´Rettungsplan` und dann den ´Infrastrukturplan`analysierten, haben wir bereits angedeutet, dass Joe Bidens Vorschläge nahe daran sind, die Ära der neoliberalen Politik zu beenden, die von Reagan und seinen Nachfolgern so hochgehalten wurde, und dass – wie in unserem Short Cut mit James Galbraith im Dezember besprochen – mit Joe Biden an der Macht die Möglichkeit eines neuen New Deal naht.

Jetzt preist sogar das einflussreiche französische Wochenmagazin L’Obs Joe Biden als den neuen Roosevelt an und widmet ihm 10 sehr interessante Seiten, auf denen auch die Frage behandelt wird, ob die EU bereit ist, diesen Paradigmenwechsel in Bezug auf öffentliche Ausgaben und fiskalische Regeln, die aus Übersee kommen, anzunehmen.

12.04.2021
Während vor 30 Jahren sowohl der IWF als auch die Weltbank prominente Verfechter einer marktliberalen Wirtschaftspolitik und staatlicher Haushaltsdisziplin waren, scheint sich die Agenda dieser Institutionen heute drastisch verändert zu haben. Martin Sandbu beschreibt diesen Wandel als eine „Bekehrung, die sogar Saulus von Tarsus in Verlegenheit bringen könnte“.

Die Ökonomen der multilateralen Institutionen sehen nicht nur die massiven Defizitausgaben reicher Industriestaaten im Zusammenhang mit Corona-Rettungspaketen gelassen, sondern befürworten zudem auch Ausgaben für Bildung oder Umverteilungsmaßnahmen. In diesem Sinne hat der IWF beispielsweise einen Solidaritätsbeitrag für Spitzenverdiener und sehr profitable Unternehmen vorgeschlagen, um angesichts der Pandemie den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Martin Sandbu: „Neuer Konsens: Reichlich Geld für die öffentliche Gesundheit ausgeben. Fiskalische Solidität, lange Zeit der Kern der IWF-Rezepte (der Witz war, dass die Initialen für „it’s mostly fiscal“ stehen), heißt nicht mehr, die öffentlichen Ausgaben zu zügeln, sondern einen Gegenwert für das Geld zu bekommen – und mehr dort auszugeben, wo es sinnvoll angelegt ist.“

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

19.03.2021
„Die Idee vom Absolutismus des freien Marktes hat sich überlebt“, sagt Larry Kramer, Präsident der Hewlett Foundation

Die neue Economy and Society Initiative (EIS) möchte ein neues Verständnis schaffen, wie die Beziehung zwischen Staaten, Märkten und Menschen strukturiert werden sollte, um die größten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen zu können.

Nach einer zweijährigen, mit 10 Millionen Dollar dotierten Sondierungsphase, in der mögliche Nachfolger des Neoliberalismus untersucht wurden, hat der Vorstand der Hewlett Foundation eine weitere fünfjährige, mit 50 Millionen Dollar dotierte Initiative genehmigt, um die Entwicklung eines neuen Paradigmas fortzusetzen.

Lesen Sie mehr über die fünfjährige Initiative – hier.  Die gesamte Grant Making Strategie der EIS ist verfügbar – hier.

10.03.2021

Nobel Laureate Economists Call for Vaccine Equity, Pandemic Debt Relief for Global South – A report from INET´s Commission on Global Economic Transformation 

Report release on Thursday, March 11 at 8:00 AM EST (13:00 GMT) 

In the report, INET´s Commission on Global Economic Transformation calls on developed countries to ensure vaccine equity, debt relief, and fiscal capacity for the Global South in response to the COVID-19 pandemic and economic crisis. Register here for the press conference featuring Joseph Stiglitz (co-chairing the CGET), INET President Rob Johnson, and Commissioners Jayati Ghosh, Rohinton P. Medhora, and Michael Spence.

09.03.2021

In einem aktuellen Beitrag für INET sagt Claudia Sahm, dass der Kongress davon absehen sollte, den unbegründeten Ängsten der „Inflationsfalken“ zu folgen, da dies dazu führen würde, zu wenig zu tun – und die katastrophalen Folgen einer zaghaften politischen Reaktion, wie die der Großen Rezession, sind nur allzu anschaulich und liefern einen triftigen Grund, dieses Risiko nicht mehr einzugehen. Die Risiken, dass ein unzureichendes Hilfspaket Millionen amerikanischer Familien im Stich lässt, die Ungleichheit vergrößert und die Erholung unnötig in die Länge zieht, sind zu hoch, und umgekehrt sind die Aussichten auf eine Überhitzung der Wirtschaft zu gering, um das Risiko zu rechtfertigen, einen großen Teil der Bevölkerung unter den Folgen der pandemiegetriebenen Krise leiden zu lassen.

Hier der Aufsatz, in dem der Autor die wichtigsten Punkte der Debatte um das Thema durchgeht und beweist, dass der Kongress in der Tat solide Gründe für eine große Politik hat.

25.2.2021

THE DEFICIT MYTH?

Thursday 25 February, 3:00 p.m.- 4:00 p.m.

Stephanie Kelton

Stephanie Kelton is a professor of economics and public policy at Stony Brook University and a Senior Fellow at the Schwartz Center for Economic Policy Analysis.  She is a leading expert on Modern Monetary Theory and a former Chief Economist on the U.S. Senate Budget Committee.

Abstract

Vice-president Dick Cheney famously boasted, “Reagan proved deficits don’t matter.” Was he right? Do deficits matter? Stephanie Kelton leads a debate on whether deficits matter and how we think about government spending today and the implications for future generations. Can deficits be used to sustain life and build a more just economy that works for the many and not just the few?

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Topic: NAEC seminar with Stephanie Kelton

Time: 25 Feb, 2020 15:00 Paris

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17.2.2021

Yuval Noah Harari & Rutger Bregman diskutieren über ein neues Paradigma

Moderiert wurde die Diskussion über die globalen Herausforderungen von Zanny Minton Beddoes, editor-in-chief vom Economist


8.2.2021

Als Communication and Research Associate unterstützen Sie das Forum bei der Koordination der externen Kommunikations- und Medienarbeit sowie bei der inhaltlichen und organisatorischen Arbeit und berichten an den Direktor des Forums. Erfahren Sie weitere Details zur Stellenausschreibung — hier.

Standort: Berlin

Starttermin: So bald wie möglich

Wie Sie sich bewerben: Bitte laden Sie Ihren Lebenslauf und ein kurzes Anschreiben hier hoch: https://bit.ly/3cxE8ZE

4.2.2021

Süddeutsche Zeitung zitiert Einsamkeitsstudie von Julia Becker (Universitäten Osnabrück): Einsamkeit und Wohlbefinden abhängig vom Gesellschaftssystem

Was passiert mit Menschen wenn die Wirtschaft und die Gesellschaft nach den Prinzipien des freien Marktes organisiert und staatliche Interventionen in die Wirtschaft minimiert werden? Dieser Frage geht Prof. Dr. Julia Becker von der Universität Osnabrück in Kooperation mit der University of Queensland, (Australien)  in einer neuen Studie dem Titel „Neoliberalism can reduce well-being by promoting a sense of social disconnection, competition and loneliness“ nach. ber die Studie wurde u.a. in der Süddeutschen Zeitung (3.2.2021) berichtet. Die AutorInnen untersuchen, inwieweit der Neoliberalismus das individuelle Einsamkeitsempfinden beeinflusst. Unter Neoliberalismus versteht man die Idee, dass Fortschritt am besten durch individuelle Verantwortlichkeiten und Wettbewerbsfreiheit erzielt werden kann.

Fazit der Studien: Einsamkeit und psychische Gesundheit entstehen nicht in einem luftleeren Raum, sondern sind vom gesellschaftlichen Klima abhängig. Der neoliberale Gedanke des freien Wettbewerbs und individueller Verantwortlichkeit kann dazu führen, dass sich Menschen mehr in Konkurrenz zu anderen sehen, sich weniger von ihren sozialen Gruppen und Netzwerken unterstützt fühlen, was wiederum zu vermehrter Einsamkeit und schlechterer psychischer Gesundheit führt.

Becker, J.C., Hartwich, L., & Haslam, S.A. (in press). Neoliberalism can reduce well-being by promoting a sense of social disconnection, competition and loneliness. British Journal of Social Psychology.
Link: https://bpspsychub.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/bjso.12438

29.01.2020

John Cassidy: „Der GameStop-Aktien-Boom zeigt die Gefahren von Finanzmärkten im Griff des Wahnsinns der Massen“

„Die Welle der spekulativen Investitionen in die GameStop-Aktie ist nur ein Beispiel dafür, wie die US-Märkte derzeit vom ‚Wahnsinn der Massen‘ erfasst werden“, schreibt der Journalist John Cassidy im New Yorker und erinnert uns daran, wie überholt das alte Paradigma vom Glauben an die Hypereffizienz der Finanzmärkte eigentlich ist. Stattdessen sollten wir einen tieferen Blick auf die Theorien von Hyman Minsky und Charles Kindleberger werfen, um solche Phänomene wie den derzeitigen überschwänglichen Aktienboom zu verstehen und eventuell zu bändigen. Cassidy jedenfalls schlägt vor, dass die US Zentralbank handeln sollte, zum Beispiel indem sie Margenanforderungen bei den Händlern von Aktien einführt.

15.01.2020

Transformative Responses to the Crisis – Next Generation Central Banking

Im März 2020 haben die Zentralbanken einmal mehr bewiesen, dass sie die erste Verteidigungslinie in krisengeschüttelten Zeiten sind. Mit ihrem weitreichenden Handeln haben sie verhindert, dass die Welt zusätzlich zu der schweren Gesundheits- und Wirtschaftskrise, die durch Covid-19 verursacht wurde, einen Zusammenbruch der Finanzmärkte erlebte. Seit der globalen Finanzkrise haben sich die Rolle und das Repertoire der Zentralbanken stark verändert.

Die US-Notenbank hat kürzlich eine neue Strategie des „Average Inflation Targeting“ für ihre Geldpolitik eingeführt, und die Europäische Zentralbank führt derzeit die erste Strategieüberprüfung seit 17 Jahren durch – Christine Lagarde hat sehr deutlich gemacht, dass die EZB diese neue Rolle anstrebt.

„Transformative Responses to the Crisis“ glaubt, dass dies eine breitere Debatte über die Rolle der Zentralbanken in Zeiten finanzieller Instabilität, wachsender Ungleichheit und einer eskalierenden Klimakrise erfordert. Die Zentralbanken haben mächtige Instrumente zur Verfügung. Sollten sie – und wenn ja, wie – politische Ziele jenseits ihres traditionellen Preisstabilitätsmandats unterstützen? Die Konferenz „Next Generation Central Banking: Klimawandel, Ungleichheit, finanzielle Instabilität“ am 3-5. Februar 2021 wird ein Forum zu diesen aktuellen Fragen bieten.

Für die Anmeldung und eine ausführliche Agenda klicken Sie hier.

18.12.2020

Katharina Pistor – Der Code des Kapitals

Kurz nach der Finanzkrise 2008 erschien es auf einmal möglich grundlegende Dinge des Kapitalismus zu verändern. Positionen von Thomas Piketty und Occupy Wall Street wirkten mehrheitsfähig, doch letztendlich wurde das System lediglich an wenigen Stellschrauben stabilisiert. Die Entwicklungstendenz wachsender Ungleichheit, die dem Kapitalismus von Piketty statistisch nachgewiesen wurde, erklärt Pistor durch die Geschichte seiner rechtlichen Verfasstheit. Dadurch eröffnet sie auch einen klärenden Blick auf notorische Geschäftspraktiken und Unternehmensstrukturen, die im Zuge der Finanzkrise ruchbar geworden sind. In der SZ gibt Katharina Pistor von der Columbia Law School einen Einblick in ihr jetzt auch auf Deutsch erhältliches Werk „Der Code des Kapitals“.

Hier geht es zum Artikel bei der SZ

15.12.2020

Offene Stelle bei der Laudes Foundation

Die Laudes Foundation sucht einen Programmmanager für die Finanz- und Kapitalmarkttransformation. Die Person wäre hauptsächlich verantwortlich für die Identifizierung, Unterstützung und Skalierung von Kapitalmarktinterventionen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Arbeitsbereich „New Economic Thinking“ -, die die globale Gleichberechtigung verbessern und die Bedrohung durch den Klimawandel angehen, während sie die Wertedefinition der Stiftung einbeziehen und auf die Pariser Compliance hinarbeiten.

Zur Bewerbung geht es hier.

27.11.2020

Wie hart hat die Corona-Krise die Wirtschaft getroffen und mit welchem Maß an Zuversicht kann man in die Zukunft schauen. Im Rahmen des neuen OECD Wirtschaftsausblicks diskutieren das Philipp Steinberg, BMWi, Otto Fricke, MdB (FDP), Cancel Kiziltepe, MdB (SPD), Lisa Paus, MdB (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Joachim Pfeiffer, MdB (CDU). Die Diskussion beginnt nach einem Impulsvortrag der OECD Berlin Direktorin Nicola Brandt und wird von thomas Fricke geführt. Zur Anmeldung geht es hier.

Quick & New – INET Debt Talks – Do We Need a Debt Jubilee?

25.11.2020

Sollten wir einen Teil der Schulden streichen? Die privaten oder die staatlichen Schulden? Diese Fragen werden in der vierten Ausgabe der INET Debt Talks mit Moritz Schularick diskutiert. Mit dabei: Sebnem Kalemli-Ozcan (Senior Policy Advisor, International Monetary Fund), Astra Taylor (Documentary Filmaker, and Author) und Richard Vague (Acting Secretary of Banking and Securities, Commonwealth of Pennsylvania; Chair, The Governor’s Woods Foundation).

Los geht’s am 25.11. um 18 Uhr MEZ: https://www.ineteconomics.org/events/debt-talks-episode-4-do-we-need-a-debt-jubilee

 

Quick & New – Wolfgang Schäuble sieht Gefahr in ungezügeltem Kapitalismus

16. November 2020

„Das Virus hat uns gelehrt, dass wir mehr Resilienz brauchen“ sagt der ehemalige Verfechter der Austeritätsmaßnahmen in der Eurokrise und fordert, dass der Kapitalismus gezügelt werden muss.

Wolfgang Schäuble, Vater der Schwarzen Null, ehemaliger Innen- und Finanzminister und aktuell Bundestagspräsident macht sich Sorgen um das derzeitige Wirtschaftssystem. In einem Interview mit der Welt mahnt er, dass „wir […] im Globalisierungsrausch etwas verlernt“ haben. Schäuble warnt vor einem ausufernd freiem Welthandel, der unverhältnismäßigen Macht der Finanzindustrie und fragwürdigen Verhätnissen in globalen Lieferketten. Schäuble klinkt sich auch in die immer wieder aufkommende Debatte über das BIP als Wohlfahrtsindikator ein und fordert eine umfassendere Bemussung von Wohlstand. Neue Töne von einem der entscheidenden Architekten der Austeritätsmaßnahmen in südeuropäischen Ländern während der Euro-Krise. Auch an die Sinnhaftigkeit der Schwarzen Null im Sinne der Generationengerechtigkeit glaubt Schäuble weiterhin und in Anbetracht dessen, dass die CDU das Lieferkettengesetz weiterhin verschleppt, wirken Schäubles Worte in Bezug auf globale Gerechtigkeit ebenfalls interessant.

Das ganze Interview mit der Zeitung  Die Welt finden Sie hier.

Quick & New: YSI 2020 Plenary – New Economic Questions

10. November 2020

Was sind die 100 dringendsten ökonomischen Fragen, die sich für unsere globale Gesellschaft stellen? Unsere Partner Organisation – die Young Scholars Initiative von INET – hat in den vergangenen zwei Wochen ihre virtuelle Jahrestagung abgehalten. Mit dabei waren hochkarätige Redner wie George Akerlof, Joseph E. Stiglitz, Adair Turner, Yanis Varoufakis und viele weitere.

Eine Nachbereitung gibt es — hier.

Quick & New: Wurde der Doing-Business-Index der Weltbank manipuliert?

Die Weltbank hat die Veröffentlichung ihres „Doing-Business“-Index (DB) ausgesetzt. „Es war an der Zeit“ schreibt Helmut Reisen.

Anfang 2018 sagte der damalige Chefökonom der Weltbank Paul Romer dem Wall Street Journal, er habe den Glauben an die Integrität des Doing-Business-Index verloren. Nun hat die Weltbank die Veröffentlichung ihres „Doing-Business“-Index (DB) ausgesetzt. Helmut Reisen argumentiert im IPG, dass auch die Bundesregierung eigene Indikatoren entwickeln und kalibrieren sollte.

Den kompletten Artikel gibt es — hier.

Quick & New: Fiskalpolitische Standards für Europa

Beim gestrigen Economic Policy Panel Meeting, das eigentlich im BMF hätte stattfinden sollen, präsentierte Olivier Blanchard ein neues Papier zur Frage wie man den europäischen Ansatz zu einem nachhaltigen Finanzhaushalt neu gestalten könnte.

Dreißig Jahre nach deren Einführung, werden die Stimmen unter Ökonomen und Politikern lauter, die eine Reformierung der EU Fiskalregeln fordern. Der frühere IWF-Ökonom Olivier Blanchard hingegen fordert nun ein grundlegendes Umdenken des fiskalpolitischen Regelwerks der EU. Schrittweise Reformierungen reichen nicht aus – so Blanchard.

In einem neuen Artikel, argumentiert Olivier Blanchard zusammen mit Jeromin Zettelmeyer und Alvaro Leandro nun, dass die EU die alten Fiskalregeln hinter sich lassen sollte, und stattdessen fiskalpolitische Standards setzen sollte, die mehr Spielraum ermöglichen.  Den Autoren geht es dabei um die Unmöglichkeit von Regeln die Komplixität der Zukunft vorherzusehen. Andere Zeiten und andere Länder erfordern eben auch oftmals andere Maßnahmen.  Standards indes würden eine qualitative Bewertung der jeweiligen Situation ermöglichen. Eine unabhängige Instiution würden dann im Nachhinein evaluieren, ob die Standards und Empfehlungen auch eingehalten wurden. Dadurch könnten fatale Fehler, die durch das Beharren auf komplexitätsreduzierende Regeln entstehen, vermieden werden.

Das komplette Papier gibt es  — hier

Außerdem gibt es eine Aufzeichnung des gestrigen Panels auf YouTube:

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