Forum Newsletter #45 – Alles Neue im Überblick

Wirtschaft jenseits der Lobbyklischees - Millionäre für Vermögensteuern - Neue Forum-Paper - Symposium am 31. August

 

Liebe Freunde, Kolleginnen und Kollegen,

große Paradigmenwechsel sind nicht, wenn eine Partei oder Interessengruppe die eigene Meinung ändert. Dafür müssen sich die Ansichten, Leitbilder und Interpretationsmuster über politische Grenzen hinweg verschieben. Von daher könnte es Signal für einen größeren Paradigmenwechsel sein, wenn angesichts einer zunehmend gefährlichen Spaltung selbst Leute mit hohen Vermögen dazu aufrufen, sie stärker zu besteuern, wie das eine größere Gruppe deutscher und österreichischer Millionäre vergangene Woche gemacht hat – #taxmenow. Ähnliches gab es ja schon in den USA. 

Ein weiteres starkes Signal könnte sein, was die Kolleginnen von Deutsche Bank Research in einer repräsentativen Umfrage bei 200 Unternehmen herausgefunden haben: danach scheint „die“ Wirtschaft an der Basis längst nicht (mehr) so fest überzeugt vom marktliberalen Leitbild, wie es die recht orthodoxen Verlautbarungen einschlägiger Lobbyverbände vermuten lassen – ob Verband der Familienunternehmer, Wirtschaftsrat der CDU oder jene INSM, über deren etwas plumpe Kampagne gegen die Grünen gerade viel geschrieben wird.

Nach der Befragung sagt immerhin eine relative Mehrheit von 42 Prozent, dass eine schwarz-grüne Regierung „den Beginn eines längst überfälligen Umbaus der deutschen Industrielandschaft“ bedeuten würde; und dass es so Aussicht auf ein staatliches Investitionsprogramm gäbe, „das auch Unternehmen zugutekäme“, meinen 39 Prozent. Von wegen Staat-schlecht – Markt-gut. Knapp 30 Prozent sehen in einer staatlichen Industriepolitik nicht gleich die Gefahr, dass damit die Investitionsfähigkeit gebremst wird. Noch bemerkenswerter: 36 Prozent der befragten Manager finden es gut, wenn in der EU dauerhaft gemeinsame Schulden aufgenommen werden – ein No-Go, wenn man die Positionen der Wirtschaftslobbys zur Referenz nimmt. So eine gemeinsame Haftung garantiere Absatzmärkte, meinen die Befürworter in der Umfrage. Klingt nach modernerer Lehre. Paradigmenwechsel.

Darüber einig waren sich im Grunde auch Philipp Heimberger und Daniel Stelter im New Economy Short Cut zu Italien diese Woche – nur dass sie dann doch recht unterschiedliche Rezepte befürworten: nachzusehen im Re-live hier. Was inhaltlich sonst noch alles Teil eines Paradigmenwechsels sein könnte, steckt derweil in den beiden Studien von Philippa Sigl-Glöckner vom Dezernat Zukunft zu einer neuen Finanzpolitik (und grundgesetzkonformen Reformen der Schuldenbremse) und von Tom Krebs zum – bislang stark unterschätzten – Bedarf an öffentlichen Investitionen in eine große Wasserstoffinfrastruktur: Richtwert 100 Milliarden – fast zehn Mal so viel, wie von der Bundesregierung bisher veranschlagt. Beide Studien sind jetzt in Gänze abzurufen – hier und hier.

Ende August geht’s dann in unserem Symposium um den aktuellen Stand zu noch größeren Fragen: etwa der hoch emotionalen nach dem nötigen Wachstum oder Schrumpfen der Wirtschaft – und nach der Relevanz von Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt. Unter anderem mit Dennis Snower, Nicola Brandt, Marcel Fratzscher, Julia Steinberger, Jakob von Weizsäcker und Achim Truger. Das Programm für den 31. August steht – hier.

Ein schönes Wochenende,


Thomas Fricke 

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